22/05/2026
KOLUMNE DES BÜRGERMEISTERS
Thema diese Woche:
👉 Pfingstfest
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
wenn die Tage länger werden, die Abende milder und die Natur in voller Blüte steht, kündigt sich eine besondere Zeit im Jahreskreis an: das PFINGSTFEST. Für viele ist es ein langes Wochenende, eine Gelegenheit zum Durchatmen, zum Reisen oder zum Zusammensein mit Familie und Freunden. Doch Pfingsten ist mehr als nur ein Termin im Kalender – es ist ein Fest mit einer tiefen kulturellen, historischen und auch gesellschaftlichen Bedeutung, die gerade in unserer heutigen Zeit wieder stärker ins Bewusstsein rücken sollte.
Aber bei kaum einem anderen christlichen Fest flammt in Deutschland zuverlässig dieselbe Debatte auf: Können wir uns so viele freie Tage überhaupt noch leisten? Besonders in den Blick gerät dabei der Pfingstmontag. Wirtschaftsverbände und einige Ökonomen bringen ihn als möglichen Streichkandidaten ins Spiel – mit dem Argument, Deutschland müsse angesichts schwachen Wachstums, internationaler Konkurrenz und hoher Standortkosten „mehr arbeiten“. Ein zusätzlicher Arbeitstag, so die Befürworter, könne die Produktivität steigern, Wertschöpfung erhöhen und ein Signal senden, dass wirtschaftliche Erholung nicht allein durch staatliche Hilfen zu erreichen sei.
Auf der anderen Seite stehen Gewerkschaften, Kirchen und viele Sozialverbände, die dieser Logik entschieden widersprechen. Sie verweisen darauf, dass Feiertage nicht bloß betriebswirtschaftliche Rechengrößen sind, sondern gesellschaftliche Taktgeber. Sie strukturieren das öffentliche Leben, schaffen gemeinsame Zeitfenster für Familien, Vereine und Ehrenamt und tragen zur mentalen Entlastung in einer zunehmend verdichteten Arbeitswelt bei. Gerade Kirchen betonen darüber hinaus den kulturellen und historischen Charakter von Feiertagen wie Pfingsten, die weit über ihren religiösen Ursprung hinaus identitätsstiftend wirken.
Und tatsächlich: Die Vorstellung, Deutschlands wirtschaftliche Probleme ließen sich durch einen gestrichenen Feiertag beheben, greift deutlich zu kurz. Studien – unter anderem des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung – zeigen, dass die Abschaffung gesetzlicher Feiertage keineswegs automatisch zu mehr Wachstum führt. Produktivität entsteht nicht schlicht durch mehr Arbeitsstunden. Die eigentlichen Herausforderungen liegen tiefer: Fachkräftemangel, schleppende Digitalisierung, Investitionsrückstände, überbordende Bürokratie und strukturelle Schwächen lassen sich nicht durch einen zusätzlichen Montag im Büro lösen. Wer wirtschaftliche Stärke will, muss an den Rahmenbedingungen arbeiten – nicht am Feiertagskalender.
Gerade deshalb lohnt es sich, auf Pfingsten selbst zu schauen – und darauf, was dieser Feiertag gesellschaftlich bedeutet.
Pfingsten steht traditionell für Aufbruch, für Verständigung und für Gemeinschaft. Es erinnert uns daran, wie wichtig es ist, Brücken zu bauen – zwischen Menschen, zwischen Generationen und auch zwischen unterschiedlichen Sichtweisen. In einer Welt, die oft von Geschwindigkeit, Unsicherheit und auch Spannungen geprägt ist, wirkt diese Botschaft aktueller denn je.
Auch in unserer Stadt erleben wir täglich, wie wertvoll ein respektvolles Miteinander ist. Die Vielfalt, die unser Zusammenleben prägt, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis vieler kleiner und großer Beiträge von Ihnen allen. Ob im Ehrenamt, im Vereinsleben, in Nachbarschaften oder im beruflichen Alltag – überall dort, wo Menschen einander begegnen und unterstützen, wird der Geist von Pfingsten lebendig.
Das bevorstehende Pfingstwochenende bietet uns die Gelegenheit, genau diesen Geist bewusst zu pflegen. Zahlreiche Veranstaltungen, Feste und Begegnungen laden dazu ein, gemeinsam Zeit zu verbringen und unsere Gemeinschaft zu stärken. Es sind oft die einfachen Momente – ein Gespräch, ein gemeinsames Essen oder ein Spaziergang durch unsere schöne Landschaft –, die uns daran erinnern, was wirklich zählt.
Gleichzeitig möchte ich die Gelegenheit nutzen, um all jenen zu danken, die auch an Feiertagen für uns im Einsatz sind. Ob in der Pflege, bei der Feuerwehr, im Rettungsdienst, in der Polizei oder in vielen anderen Bereichen: Ihr Engagement sorgt dafür, dass wir uns sicher und gut versorgt fühlen können. Dieses Engagement verdient unsere höchste Anerkennung.
Pfingsten ist aber auch eine Zeit der Besinnung. Es lädt uns ein, innezuhalten und darüber nachzudenken, wie wir unser Zusammenleben gestalten wollen. Welche Werte sind uns wichtig? Wie gehen wir miteinander um? Und welchen Beitrag kann jede und jeder Einzelne leisten, um unsere Stadt noch lebenswerter zu machen?
Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich, wie stark eine Gemeinschaft wirklich ist. Die vergangenen Jahre haben uns vor Augen geführt, dass Zusammenhalt kein abstrakter Begriff ist, sondern konkrete Formen annimmt – in gegenseitiger Hilfe, in Rücksichtnahme und in dem Willen, gemeinsam Lösungen zu finden. Diese Erfahrungen sollten wir bewahren und weiterentwickeln.
Ich möchte Sie ermutigen, das Pfingstfest auch als Anlass zu sehen, neue Kontakte zu knüpfen oder alte Verbindungen wieder aufleben zu lassen. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, jemanden einzuladen, den man lange nicht gesehen hat, oder einem Nachbarn ein freundliches Wort zu schenken. Oft sind es gerade diese kleinen Gesten, die eine große Wirkung entfalten.
Unsere Stadt lebt von der Beteiligung ihrer Bürgerinnen und Bürger. Ihre Ideen, Ihr Engagement und Ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, machen den Unterschied. Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam weitergehen – mit Offenheit, mit Respekt und mit Zuversicht.
Zuversicht ist ein gutes Stichwort für Pfingsten. Es ist ein Fest, das uns daran erinnert, dass Neues entstehen kann, dass Verständigung möglich ist und dass Gemeinschaft wächst, wenn wir sie aktiv gestalten. Diese Zuversicht sollten wir mit in die kommenden Wochen und Monate nehmen.
Ich wünsche Ihnen allen ein frohes, erholsames und inspirierendes Pfingstfest. Nutzen Sie die Zeit, um Kraft zu schöpfen, Gemeinschaft zu erleben und neue Perspektiven zu gewinnen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Peter Gefeller
Bürgermeister