Kohle, Stahl und Bier - Dreiklang im Revier

Kohle, Stahl und Bier - Dreiklang im Revier Glückauf und herzlich Willkommen auf meiner Seite! Fotos, Geschichten & mehr aus der Heimat, NRW & darüber hinaus! Viel Spaß und Glückauf! Oliver Pelczer

Glückauf werte Besucher auf meiner Seite - Getreu dem Motto "Kohle, Stahl und Bier - Dreiklang im Revier" werden hier Fotos, Bilder, Geschichten und Anekdoten über Orte und Geschehnisse in unserer geliebten Heimat und den Regionen rings um das Revier veröffentlicht. Natürlich wird auch des öfteren über den Tellerrand geschaut und dokumentiert. Viel Spaß beim durchstöbern. Glückauf! :)

Der Film „Aufbruch. Aufstieg. Neuordnung“ veranschaulicht die Geschichte Oberhausens von seiner industriellen Gründung M...
04/09/2026

Der Film „Aufbruch. Aufstieg. Neuordnung“ veranschaulicht die Geschichte Oberhausens von seiner industriellen Gründung Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur kommunalen Neuordnung des rheinisch-westfälischen Industriegebietes im Jahr 1929.



Warum dieser Film? – Mehr als die letzte Neugliederung des Ruhrgebiets im Jahr 1975 hat die Kommunale Neuordnung der Region 1929 der Städtelandschaft Ruhr ihre entscheidende und bis heute gültige Prägung gegeben. Das ist jedoch im öffentlichen Bewusstsein vom Ruhrgebiet und seinem Werden im Industriezeitalter wenig präsent. Wir möchten mit unserem Film diese Lücke ein wenig füllen.



Die Bildung der Stadt Oberhausen von heute durch die Vereinigung der kreisfreien Städte Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld im Jahr 1929 ist der erzählerische Mittelpunkt des Films. Oberhausen gibt uns einen guten Einblick in wichtige Entwicklungen der Städtelandschaft Ruhr in ihrer 200 Jahre dauernden Geschichte. Von 1890 bis 1929 wurden in Deutschland viele Grundlagen der Moderne gelegt, die für unser Leben bis heute wichtig sind: Denken Sie zum Beispiel an Straßenbahnen und Kaufhäuser.



Die individuellen Stadtentwicklungen wurden zu zentralen Entscheidungskriterien für die kommunale Neuordnung der Region von 1928/29. Deshalb war neben der ausführlichen Betrachtung Oberhausens der Blick „über den Kirchturm“ einer Stadtgrenze hinaus für uns ein zentrales Anliegen. In unserem Film erfahren Sie deswegen nicht nur Bemerkenswertes über Oberhausen, sondern auch über Dortmund, Duisburg und Gelsenkirchen. Damit erheben wir natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit für die Ruhrgebietsgeschichte.



Begleiten Sie uns zurück in die Vergangenheit, in das 19. und das frühe 20. Jahrhundert. Entdecken Sie unveröffentlichtes Archivgut, szenische Darstellungen von historischem Material und lauschen Sie Experten bei der Analyse entscheidender Ereignisse in Oberhausen und Umgebung. Denn wir sind fest überzeugt: Unser historischer Dokumentarfilm ist lebendig, seine Themen sind ungemein spannend – und vor allem erzählt er das eine oder andere über Oberhausen und das Ruhrgebiet, das Sie in vielen anderen Filmen über die Geschichte der Ruhrregion bisher noch nicht gesehen haben. Gehen Sie mit uns auf eine historische Entdeckungsreise!

https://youtu.be/y28g5M4C8Kw?is=O9MDuSboJNtiof8w

Der moderne Dokumentarfilm „Aufbruch. Aufstieg. Neuordnung. Oberhau...

Gästeführer*in (IHK) in Oberhausen – es werden noch Teilnehmer gesuchtWer sich für die Geschichte des Ruhrgebiets, Indus...
03/09/2026

Gästeführer*in (IHK) in Oberhausen – es werden noch Teilnehmer gesucht

Wer sich für die Geschichte des Ruhrgebiets, Industriekultur, Heimatgeschichte oder allgemein für die Vermittlung von Geschichte und regionalem Wissen interessiert, für den könnte dieser Lehrgang interessant sein.

Die VHS Oberhausen bietet gemeinsam mit Michael Weier einen Lehrgang zum/zur Gästeführer*in (IHK) an.

Der Lehrgang umfasst 160 Seminarstunden an 10 Wochenenden von November 2026 bis Juni 2027. Vermittelt werden unter anderem die Konzeption professioneller Gästeführungen, Recherche und Aufbereitung von Informationen, Präsentation und Rhetorik, rechtliche Grundlagen, Organisation einer selbstständigen Tätigkeit sowie praktische Übungstouren in der Region.

Die Teilnahme kostet 1.200 €. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Weiterbildungsförderung (maximal 500 €) möglich sein.

Ich selbst möchte an dem Lehrgang teilnehmen und würde mich freuen, wenn sich noch einige Menschen aus unserer Region finden, die ihr Wissen über Bergbau, Industriegeschichte, Städte, Landschaften oder andere Themen künftig professionell an Besucher weitergeben möchten.

Weitere Informationen und Anmeldung gibt es bei der VHS Oberhausen.

Vielleicht kennt ihr auch jemanden, für den das genau das Richtige wäre. Dann gerne weitergeben.

Glückauf ⚒️

Ein hydraulischer Widder (auch Stoßheber genannt) ist eine robuste Wasserpumpe, die keine externe Energie (wie Strom ode...
19/07/2026

Ein hydraulischer Widder (auch Stoßheber genannt) ist eine robuste Wasserpumpe, die keine externe Energie (wie Strom oder Kraftstoff) benötigt, sondern ausschließlich durch die kinetische Energie von fließendem Wasser angetrieben wird.

Im Bergbau wurde und wird diese Technik vor allem für folgende Aufgaben genutzt:
• Wasserhaltung & Sümpfung: Das Abpumpen von anfallendem Grubenwasser in historischen oder abgelegenen Bergwerken, wo kein Strom zur Verfügung stand.
• Grubenbewetterung / Bergsicherung: Vereinzelt in der Geschichte wurde der Druck der Wasserstöße genutzt, um über spezielle Konstruktionen Luft in den Untertagebau zu pressen.
• Tagebau: Die Wasserversorgung von Waschplätzen, Halden oder abgelegenen Abbaustätten aus nahegelegenen Flüssen oder Bächen.

Vorteile:
• Autark: Absolut unabhängig von Strom oder fossilen Brennstoffen.
• Wartungsarm: Es gibt keine rotierenden Teile, was im rauen Bergbau den Verschleiß massiv senkt.
• Langlebig: Funktioniert bei stetigem Wasserzufluss ununterbrochen über Jahrzehnte.

Nachteile:
• Geringe Fördermenge: Es wird nur etwa 10 % bis 20 % des zugeführten Triebwassers tatsächlich nach oben gepumpt. Der Rest fließt ungenutzt ab.
• Topografische Abhängigkeit: Es wird ein natürliches Gefälle (Gefälle der Triebleitung) zwingend benötigt. (Evtl.Wasserkünste bauen)

In Windorf im Bayerischen Wald gibt es einen hydraulischen Widder. ...

Bauenhaus (Barienhuus/Barrierenhaus), Mauspfad (Mautpfad) und Zoll/Toll-Geschichte zwischen Düsseldorf und RatingenBei e...
22/06/2026

Bauenhaus (Barienhuus/Barrierenhaus), Mauspfad (Mautpfad) und Zoll/Toll-Geschichte zwischen Düsseldorf und Ratingen

Bei einem Besuch des Bauenhauses und des Hohlwegs am Mauspfad wird deutlich, dass Geschichte nicht nur in Archiven oder Museen existiert. Sie liegt oft direkt vor unseren Füßen, in alten Wegen, Flurnamen, Karten und Gebäuden, die viele Menschen täglich passieren, ohne ihre Bedeutung zu kennen.

Wer heute vor dem Bauenhaus an der Grenze zwischen Düsseldorf und Ratingen steht, sieht zunächst ein altes Fachwerkgebäude. Doch hinter diesem Haus verbirgt sich ein Stück Verkehrs-, Rechts- und Sprachgeschichte, das weit über die Geschichte eines gewöhnlichen Gasthofs hinausgeht.

Historischer Kontext

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts (während des Dreißigjährigen Krieges) war die Region um Ratingen und das Herzogtum Berg ein ständiger Kriegsschauplatz. Die historische Grenze zwischen dem bergischen Amt Ratingen und dem kurkölnischen Amt Angermund (bzw. dem Düsseldorfer Raum) war damals noch stark durch Feudalrechte, Zölle und lokale Herrschaftsgebiete geprägt, die oftmals von Truppen besetzt oder durchzogen wurden.

Um 1622/1623 zogen große Truppenverbände durch das Rheinland. Die Grenze zwischen den Territorien war umkämpft, was dazu führte, dass spanische und kaiserliche Truppen in dieser Region (wie auch auf dem Ratinger Marktplatz im Juli 1623) einquartiert wurden und dort den Alltag prägten.

Bauenhaus/Barienhuus

Das Bauenhaus wurde 1623 als Zollstation an der historischen Kölnischen Straße errichtet. Diese wichtige Fernverbindung führte von Köln über Gerresheim, Ratingen und Mülheim in Richtung Westfalen. Über Jahrhunderte bewegten sich auf dieser Route Kaufleute, Fuhrleute, Handwerker, Pilger, Soldaten und Reisende. Wer die Straße nutzen wollte, musste an bestimmten Punkten anhalten und eine Abgabe entrichten: den Zoll.

Zoll/Toll (Toll = englisch für Maut)

Heute verstehen wir unter Zoll meist eine Behörde an einer Staatsgrenze. Historisch bedeutete Zoll jedoch weit mehr. Im Mittelalter war ein Zoll ursprünglich keine reine Steuer. Vielmehr beruhte er auf dem Gedanken von Leistung und Gegenleistung. Der Landesherr erhob eine Abgabe, stellte dafür aber Straßen, Brücken, Furten, Märkte oder Schutz für die Reisenden zur Verfügung. Der Zoll war somit Teil eines mittelalterlichen Systems von Infrastruktur, Sicherheit und Herrschaft.

Sprachgeschichtlich ist das Wort „Zoll“ besonders interessant. Das deutsche Wort gehört zu einer alten germanischen Wortgruppe, deren Verwandte sich noch heute im englischen „toll“ sowie im niederländischen „tol“ finden. Das englische „toll road“ oder „toll bridge“ bezeichnet bis heute genau das, was früher auch im Rheinland existierte: eine mautpflichtige Straße oder Brücke.

Mit dem Zoll verbunden war häufig ein sogenannter Schlagbaum. Das Wort „Baum“ bezeichnete dabei nicht einen lebenden Baum, sondern eine Schranke aus Holz, die den Weg versperrte. Erst nach der Zahlung durfte der Reisende passieren. Aus dieser Bedeutung entstanden historische Begriffe wie „Zollbaum“, „Baumgeld“ oder „Baumschreiber“, also der Beamte, der die Abgaben registrierte.

Gerade deshalb ist auch der Name Bauenhaus interessant. Auf frühen Karten, insbesondere den Tranchot-von-Müffling-Karten des frühen 19. Jahrhunderts, erscheint der Ort als „Barienhuus“. Diese Schreibweise erinnert auffällig an das Wort „Barriere“. Im damaligen Sprachgebrauch bezeichnete eine Barriere eine Straßensperre oder Zollschranke. Es ist daher denkbar, dass sich der heutige Name Bauenhaus aus einer älteren Bezeichnung wie „Barrierenhaus“ entwickelt hat. Ein endgültiger Beweis dafür steht zwar noch aus, doch die historische Funktion des Gebäudes als Zollstation macht diese Deutung durchaus plausibel.

Das Bauenhaus war dabei weit mehr als nur eine Zollstelle. Wie viele Stationen an bedeutenden Fernwegen bot es Reisenden Unterkunft, Verpflegung und die Möglichkeit, Pferde zu versorgen oder Nachrichten auszutauschen. Es war Kontrollpunkt, Gasthof und Begegnungsort zugleich.
Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich ein weiteres Zeugnis dieser alten Verkehrsgeschichte: ein außergewöhnlich gut erhaltener Hohlweg des historischen Mauspfades. Dieser mittelalterliche Fernhandelsweg verband den Niederrhein mit Frankfurt am Main und weiteren Regionen Süddeutschlands. Von Ratingen führte die Trasse über den heutigen Rotthäuser Weg, Haus Morp und Haus Unterbach in Richtung Hilden und Langenfeld. Bemerkenswert ist, dass heute die Autobahn A3 nahezu parallel zu diesem jahrhundertealten Verkehrsweg verläuft. Moderne Verkehrsadern folgen also teilweise noch immer denselben geographischen Logiken wie ihre mittelalterlichen Vorgänger.

Mauspfad/Mautpfad

Der Name „Mauspfad“ gibt der Forschung bis heute Rätsel auf. Eine verbreitete Deutung führt ihn auf das Wort „Maut“ zurück. Der Weg könnte demnach eng mit dem mittelalterlichen Zollwesen verbunden gewesen sein. Händler nutzten rechtsrheinische Routen, um bestimmte Zoll- und Stapelpflichten, insbesondere das Kölner Stapelrecht, zu umgehen. Ob diese Erklärung letztlich zutrifft, ist nicht abschließend geklärt. Sie verdeutlicht jedoch die enge Verbindung zwischen Handelswegen und Zollstationen.
Die heute noch sichtbaren Hohlwege sind das Ergebnis jahrhundertelanger Nutzung. Da befestigte Straßen im Mittelalter selten waren, gruben sich Wagenräder, Pferdehufe und unzählige Fußgänger immer tiefer in den lehmigen oder sandigen Untergrund ein. Über Generationen entstanden so tiefe Geländeeinschnitte, die stellenweise bis heute erhalten geblieben sind. Viele dieser historischen Wege wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts verfüllt oder durch Landwirtschaft und Bebauung zerstört. Umso bemerkenswerter ist der Erhaltungszustand des Hohlwegs am Mauspfad.

Diese alten Wege sind nicht nur kulturhistorische Denkmäler. Sie bilden zugleich wertvolle Lebensräume. Die Böschungen und Gehölze bieten Vö**ln wie Goldammer und Zaunkönig Brutplätze. Besonnte Bereiche werden von Wildbienen, Schmetterlingen und Waldeidechsen genutzt. So verbinden sich an diesem Ort Natur- und Kulturgeschichte auf besondere Weise.

"Kein Zoll breit"

Das Bauenhaus erzählt aber noch eine weitere Geschichte: die Geschichte des Wortes „Zoll“ selbst. Denn neben der Bedeutung als Abgabe entwickelte sich im Deutschen ein zweites Wort gleichen Namens. Der Zoll als Längenmaß entstand vermutlich im Handwerk und bezeichnete ursprünglich die Breite eines Daumens oder Fingergliedes. Noch heute lebt diese Bedeutung in Zollstöcken, Rohrdurchmessern, Fernsehbildschirmen und technischen Normen fort. Im Bergbau, der das Rheinland und Ruhrgebiet über Jahrhunderte prägte, war der Zoll sogar ein festes Längenmaß und entsprach dem achtzigsten Teil eines Lachters.

Auch in unserer Sprache hat der Zoll Spuren hinterlassen. Wer „keinen Zoll breit zurückweicht“, bewegt sich nicht einmal um die Breite eines alten Zolls. Wenn man sagt, etwas habe „seinen Zoll gefordert“, lebt darin die alte Vorstellung fort, dass jede Leistung ihren Preis verlangt.

Das Bauenhaus und der nahe Mauspfad zeigen eindrucksvoll, wie eng Verkehr, Handel, Sprache, Natur und Herrschaft miteinander verbunden waren. Was heute wie ein abgelegener Gasthof und ein unscheinbarer Waldweg wirkt, war einst Teil eines weitreichenden Verkehrsnetzes, das Menschen, Waren, Nachrichten und Ideen durch das Rheinland und weit darüber hinaus transportierte. Wer diese Orte besucht, begegnet nicht nur einzelnen Bauwerken oder Wegen, sondern den materiellen Spuren einer jahrhundertealten Kulturlandschaft, die unsere Region bis heute geprägt hat.

Quellen und weiterführende Literatur

-KuLaDig – Bauenhaus (Düsseldorf/Ratingen)⁠
-Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm (DWDS), Stichwort „Zoll“⁠
-DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache⁠
-TIM-online Nordrhein-Westfalen (Historische Karten und Luftbilder)⁠
-Tranchot-von-Müffling-Karten (1801–1828), eingesehen über TIM-online NRW
-Historische Preußische Uraufnahme und Urkataster, eingesehen über TIM-online NRW
-Informationstafeln vor Ort am Bauenhaus und am Hohlweg des Mauspfades
-Eigene Ortsbegehung und Fotodokumentation (21.06.2026)

07/01/2026
Wenn Barbarazweige Ende Dezember (oder allgemein zu Weihnachten oder den Rauhnächten) blühen, ist das ein altes Brauchtu...
27/12/2025

Wenn Barbarazweige Ende Dezember (oder allgemein zu Weihnachten oder den Rauhnächten) blühen, ist das ein altes Brauchtum, das Glück für das kommende Jahr verheißt, Hoffnung symbolisiert und auch als Orakel für eine bevorstehende Hochzeit oder eine gute Ernte diente. Der Brauch geht auf eine Legende der Heiligen Barbara zurück, bei der ein abgebrochener Zweig in ihrem Gefängnis aufblühte, als sie hingerichtet wurde, und steht für neues Leben und Erneuerung in der dunklen Jahreszeit. ✨

Barbara, Lucia, Rauhnächte - Licht, Zweige und das Ende eines Zeitalters am 21.12.Am 4. Dezember schneiden Menschen trad...
21/12/2025

Barbara, Lucia, Rauhnächte - Licht, Zweige und das Ende eines Zeitalters am 21.12.

Am 4. Dezember schneiden Menschen traditionell Barbarazweige. Vom Baum getrennt, doch lebendig, stehen sie für verborgenes Leben im Winter, Potenzial im scheinbar Toten. Der Brauch ist viel älter als die christliche Heilige Barbara, deren Legende diesen Ritus überformte. Gleiches gilt für die Ruten des Knecht Ruprecht oder alpiner Perchten, ursprünglich Symbole der Reinigung und Erneuerung, später moralische Ermahnung.

In denselben Zeitraum fallen die Lichtfeste: Barbara, Lucia, Weihnachten. Historisch fiel der Luciatag auf den 13. Dezember, damals der kürzeste Tag des Jahres im julianischen Kalender. Heute ist es die Wintersonnenwende am 21. Dezember. Physikalisch korrekt markiert sie die längste Nacht, kulturell blieb der 13.12. als Dunkelheitsmarker erhalten. Zwischen diesen Polen liegen die Rauhnächte: Tage „außerhalb der Zeit“, mit eigenen Regeln, chaotisch, unberechenbar, in denen sich Natur, Geister und Mensch auf den Wandel vorbereiten.

Die Heilige Lucia, „die Leuchtende“, bringt Licht in die Dunkelheit. In Europa kennt man sie als Märtyrerin, Schutzpatronin der Armen, Blinden und Kinder, in Skandinavien als Lichtträgerin in weißen Kleidern mit Kerzenkranz, in den Ostalpen als Lutzelfrau oder Bluadige Luz, unheimlich, mahnend, Teil des kulturellen Gefüges, das Ordnung und Unordnung zugleich markiert. Bräuche wie das Aufstellen von Luzienzweigen, Luzienbrot oder kleine Orakelrituale sind historische Manifestationen von Hoffnung, Schutz und Vorsorge.

In diese historische und symbolische Logik fällt der 21. Dezember 2018: der letzte Tag des deutschen Steinkohlenbergbaus auf Prosper-Haniel.
Offizielle Reden, Ehrengäste, Medien, alles korrekt. Doch draußen standen die Bergleute, die jahrzehntelang unter Tage gearbeitet hatten, vor dem Tor. Abgesichert durch Sozialpläne, aber unsichtbar im offiziellen Bild. Ihre Arbeit, ihre Identität, ihr Beitrag, in diesem Moment „unbedeutend“ für die Bühne der Politik.

Der Bergbau endet nicht mit symbolischen Übergaben. Er bleibt, in Boden, Wasser, Technik, Biografien. Grubenwasserhaltung, Polder, Grundwasserreinigung, Jahrhunderte Verantwortung. Dass der letzte Tag auf die Wintersonnenwende fiel, ist symbolisch: Ende eines Zyklus, tiefster Punkt, Frage nach dem, was danach kommt.

Wie der Barbarazweig, die Rauhnacht oder Lucia zeigt: Übergang ist notwendig, dunkel, unkontrollierbar, aber fruchtbar. Dunkelheit ist kein Feind, sondern eine Chance. Verantwortung, Solidarität, Kameradschaft, entstehen nicht automatisch, sie müssen gelebt, gesichert, weitergegeben werden. Genau das bleibt das bleibende Erbe des Bergbaus.

Glückauf.

Nicht als Floskel. Sondern als Verpflichtung.

Licht, Sonne und Menschheit - Von der Urzeit bis zum BarbaratagLange bevor Strom, Geleuchte oder künstliches Licht exist...
04/12/2025

Licht, Sonne und Menschheit - Von der Urzeit bis zum Barbaratag

Lange bevor Strom, Geleuchte oder künstliches Licht existierten, lebten Menschen nach dem Rhythmus von Tag und Nacht, von Jahreszeiten und Himmelszyklen. Sonne war weit mehr als Wärme: Sie war Orientierung, Maßstab der Zeit und Existenzgrundlage. Ohne Licht gab es Gefahr, Hunger, Krankheit. Licht, neben Wasser und Luft, bedeutete Leben.

Seit knapp 2,5 bis 2,8 Millionen Jahren existiert der Mensch, der moderne Mensch seit knappen 300.000 Jahren (vielleicht auch ein bisschen länger), seit ca.140 Jahren existiert erst das elektrische Licht, also macht das elektrisches Licht weniger als 0,006% bzw. 0,05% unserer gesamten Menschheitsgeschichte aus.

Schon vor über 11.000 Jahren errichteten Menschen an Orten wie Göbekli Tepe monumentale Tempel, noch bevor sie Landwirtschaft kannten. Diese Stätten zeigen: Frühe Jäger und Sammler beobachteten Sonnen- und Mondzyklen, markierten Sonnenwenden und gestalteten Rituale. Licht und Sonne waren nicht nur physisch wichtig, sondern zentral für Gemeinschaft, Ordnung und Überleben.

Im alten Orient wurden Sonne und Licht personifiziert: In Mesopotamien verehrten die Sumerer und Babylonier den Sonnengott Šamaš, Gott der Gerechtigkeit, Ordnung und Wahrheit, während die hethitische Sonnengöttin von Arinna eine zentrale Rolle einnahm. In Ägypten galt Re (Ra) als Schöpferkraft, Lebensspender und täglicher Begleiter am Himmel. Auch Sonnengötter wie Aton oder Assur standen im Pantheon und zeigten: Sonne war universell, in ihrer Kraft göttlich, lebenswichtig und ordnend.

Auch Europa kann auf eine lange Tradition von Licht- und Sonnenverehrung zurückblicken: Bei den Germanen war Sunna (Sól) die Sonnengöttin, Schwester von Sinhtgunt, deren Name noch im Wochentag „Sonntag“ fortlebt. Die Kelten verehrten Lugh, den „Strahlenden“, verbunden mit Kunst, Handwerk und Licht, sowie Belenus und Mogon, Heil- und Sonnengötter, die für Leben und Gesundheit standen. In der baltischen Mythologie herrschte Saule, Sonnengöttin des Lebens und der Erneuerung, Mutter von Töchtergöttinnen und Gemahlin des Mondgottes Mėnulis.

Auch fernöstliche Kulturen kannten mächtige Lichtgestalten: Amaterasu in Japan gilt als wichtigste Sonnengöttin, Quelle von Leben, Ordnung und Ahnenmacht. In Griechenland war Eos die Göttin der Morgenröte, Tochter des Sonnengottes Helios. Überall verband man Licht und Sonne mit Leben, Gesundheit, Schutz und moralischer Ordnung.

Biologisch zeigt sich die Bedeutung des Lichts in der Evolution: Ursprünglich hatten alle Menschen dunkle Haut, doch in Europa selektierte sich helle Haut, weil sie bei geringerer Sonnenstrahlung mehr Vitamin D produzieren konnte. Licht war also nicht nur spirituell und kulturell wichtig, sondern buchstäblich überlebensnotwendig, aber kein Überlegenheitsdingen.

Viele Kulturen entwickelten Feste, Rituale und Kalender, um Sonne und Licht zu feiern: Sonnenwenden, Mittwinter, Barbaratag, Luciafest, Wintersonnenwende, all das hat einen Ursprung in uralten Bedürfnissen: Orientierung, Hoffnung, Gemeinschaft, Überleben. Der Barbaratag Anfang Dezember erinnert uns daran: Licht ist Leben, Wärme, Orientierung, Verbindung zu unseren Ahnen. Deshalb werden auch beim Aufzählen der sieben Tugenden der Bergleute sieben Kerzen angezündet, die ihnen Orientierung und Sicherheit bieten sollen.

Wenn wir heute Kerzen anzünden oder kleine Rituale begehen, ehren wir diesen Urinstinkt. Wir erinnern uns, wie wertvoll Licht und Sonne für unsere Vorfahren waren und wie existenziell sie auch heute noch sind. Denn Licht bedeutet nicht nur physische Helligkeit, sondern Leben, Hoffnung und Kontinuität.

Die traditionellen sieben Tugenden der Bergleute sind Glaube, Liebe, Hoffnung, Tapferkeit, Mäßigung, Weisheit und Gerechtigkeit. Sie umfassen die drei theologischen Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung) und die vier antiken Kardinaltugenden (Weisheit, Tapferkeit, Mäßigung und Gerechtigkeit). Diese Werte sind tief in der bergmännischen Kultur verwurzelt und symbolisieren wichtige Prinzipien für das Verhalten und den Zusammenhalt.

-Glaube: Steht für das Vertrauen in das Überleben, auch unter widrigen Umständen, und in den Wert der Gemeinschaft.

-Liebe: Bedeutet die Solidarität und den Zusammenhalt unter den Bergleuten, die sich gegenseitig unterstützen.

-Hoffnung: Ist die Zuversicht, dass auch nach der Schicht ein besseres Morgen kommt und die harte Arbeit Früchte trägt.

-Tapferkeit: Bezeichnet den Mut, der nötig ist, um in den gefährlichen Umgebungen des Bergbaus zu arbeiten.

-Mäßigung: Steht für Bescheidenheit und das richtige Maß in allen Dingen, auch im Umgang mit den eigenen Fähigkeiten und der Ausrüstung.

-Weisheit: Bezieht sich auf die Erfahrung, das Wissen und die Klugheit, die erforderlich sind, um die Risiken des Bergbaus zu beurteilen.

-Gerechtigkeit: Verweist auf Fairness im Umgang miteinander und bei den Entscheidungen, die das Leben aller beeinflussen.

Glückauf 🌞🔥🪔🕯🏮💡🔦

Adresse

Prosper-Haniel
Sterkrade
46145

Benachrichtigungen

Lassen Sie sich von uns eine E-Mail senden und seien Sie der erste der Neuigkeiten und Aktionen von Kohle, Stahl und Bier - Dreiklang im Revier erfährt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht für andere Zwecke verwendet und Sie können sich jederzeit abmelden.

Verknüpfungen

Teilen