10/05/2026
1933 brannten in Deutschland an mindestens 93 Orten in 70 Städten Bücher, oft wilde Aktionen im Kontext politischen Terrors.
Die HJ plünderte Schulbüchereien, zündelte auf Schulhöfen. Schwarze Listen kursierten, der traditionsreiche Börsenverein unterschrieb devote Ergebenheitserklärungen. Selbstanpassung und NS-Gleichschaltung wirkten, als zersetzend gebrandmarkte Bücher wurden entfernt.
Die Aktionen im Mai 1933 zielten auf privaten Buchbesitz, auf Volks- und Leihbüchereien. Ausführende: Die Deutsche Studentenschaft (DSt), NSDStB und Burschenschaftler, unterstützt von völkisch eifernden Bibliothekaren. Immer dabei: Die SA.
In zwölf Thesen wider den undeutschen Geist und Feuersprüchen wurden die Feindbilder deutlich: „jüdisches Schrifttum“, Liberalismus, Internationalismus, Marxismus, Pazifismus, zeitgenössische Psychologie, kritischer Journalismus, das moderne Frauenbild, die Vielfalt der Weimarer Republik.
Auch in Berlin brannten am 10. Mai 1933 Bücher. 10 000 Zentner (!) wurden von der politischen Polizei beschlagnahmt für das ritualisierte Spektakel auf dem Opernplatz. Um 23 Uhr brannten die Scheiterhaufen – mit Büchern von Heine, Luxemburg, Ossietzky, Tucholsky, Marx, Mühsam, Toller, Mann, Zweig, Kästner, Baum, Remarque, Kisch und vielen anderen.