17/08/2026
Was meint Ulrich Siegmund, wenn er über Kinder mit Behinderungen und schulische Inklusion spricht?
Der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt sagte in einem von der FAZ veröffentlichten Video:
„Na ja, wir sind gegen Inklusion, weil Inklusion für die behinderten Kinder nicht das Beste ist.“
Bei einer späteren Diskussion des Redaktionsnetzwerks Deutschland erklärte er:
„Wir möchten einfach den Menschen und vor allem das Kind individuell betrachten.“
Außerdem sagte er:
„Niemand hat etwas gegen einen Schüler im Rollstuhl, wenn die Schule baulich entsprechend ausgestattet ist.“
Diese Aussagen muss man im Zusammenhang mit dem Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt betrachten. Darin wird der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung als gescheitertes „Experiment“ bezeichnet. Die Partei kündigt ausdrücklich an:
„Wir werden die Inklusion unverzüglich beenden und die Förderschulen ausbauen.“
Das sind nicht nur abstrakte Formulierungen aus einem Wahlprogramm. Ihre Umsetzung könnte darüber entscheiden, ob Kinder mit Behinderungen weiterhin gemeinsam mit ihren Freunden und Geschwistern eine Regelschule besuchen können. An der Montessori-Schule in Halle beispielsweise lernen Kinder mit und ohne Behinderung seit vielen Jahren gemeinsam. Die Schule befürchtet erhebliche Einschnitte, sollte die angekündigte Politik umgesetzt werden.
Natürlich darf und muss über Probleme bei der schulischen Inklusion gesprochen werden: Es fehlen vielerorts Fachkräfte, barrierefreie Gebäude, kleinere Klassen und eine ausreichende individuelle Unterstützung. Die entscheidende Frage lautet aber: Verbessert man die Bedingungen für gemeinsames Lernen – oder beendet man Inklusion und trennt Kinder wieder stärker voneinander?
Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet Deutschland, ein inklusives Bildungssystem zu gewährleisten. Menschen mit Behinderungen sollen nicht aufgrund ihrer Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden. Deshalb betrifft diese Debatte nicht nur die Organisation von Schulen, sondern ebenso das Recht auf Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und Selbstbestimmung.
Quellen:
FAZ-Video mit Siegmunds Aussage:
instagram.com/p/DYzqD9OmdkT/
RND-Bericht über die Diskussion mit Ulrich Siegmund:
rnd.de/politik/sachsen-anhalts-ministerpraesident-schulze-will-gefaehrdern-mit-doppelter-staatsbuergerschaft-FJSYQTSRMZE2VHVPRTJ7YUCBSY.html
MDR-Bericht über das AfD-Programm und die Montessori-Schule in Halle:
mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/halle/halle/update1-montessori-schule-foerderschulen-afd-plaene%2Cinklusion-188.html
Eine inklusive Schule braucht mehr Personal, Geld und Unterstützung. Bestehende Probleme dürfen jedoch nicht dazu benutzt werden, das Recht auf gemeinsames Lernen grundsätzlich infrage zu stellen.
Wie seht ihr das: Sollten die Bedingungen für Inklusion verbessert werden – oder sollten Kinder wieder stärker getrennt unterrichtet werden?