27/08/2026
✨ HINTER DIESER ZIMMERTÜR WOHNT EIN GANZES LEBEN. ❤️
Die außergewöhnliche Geschichte unserer Bewohnerin Irmgard Lançon
Es gibt Gespräche im Pflegealltag, die beginnen völlig unscheinbar. Man sitzt beieinander, spricht über dies und das, über früher, über Musik oder über Orte, an denen man einmal gelebt hat. Eine Erinnerung kommt zur nächsten, ein Name fällt, dann noch einer – und irgendwann sitzt man seinem Gegenüber einfach nur noch gegenüber und denkt: Was für ein Leben. Genau so entstand eines dieser Gespräche mit unserer Bewohnerin Frau Irmgard Lançon. Heute lebt sie bei uns in Süssendell. Ihr Zimmer ist ihr Zuhause geworden, an den Wänden hängen zahlreiche Ölgemälde, die sie selbst geschaffen hat, und auch heute noch malt sie leidenschaftlich gerne. Doch dieses Zimmer erzählt nur das heutige Kapitel ihrer Geschichte. Denn als Frau Lançon anfing, uns von früher zu erzählen, führte sie uns gedanklich viele Jahrzehnte zurück – nach Frankreich, nach Paris. 🇫🇷
Frau Lançon war damals gerade einmal ungefähr 20 Jahre alt. Eine junge Frau, die ihr vertrautes Umfeld hinter sich ließ und nach Paris ging – in eine Stadt, die schon damals für Kunst, Musik, Film und dieses ganz besondere französische Lebensgefühl stand. Sie wohnte unweit des berühmten Moulin Rouge und interessierte sich schon immer sehr für Musik und Gesang. Irgendwann führte genau diese Leidenschaft sie in eine Welt, die für die meisten Menschen unerreichbar blieb: Sie bekam eine Anstellung als Übersetzerin bei einer französischen Schallplattenfirma. 🎶💿 Doch ihre Arbeit bestand nicht einfach darin, Texte von einer Sprache in eine andere zu übertragen. Wenn Künstlerinnen und Künstler Lieder in einer fremden Sprache aufnehmen wollten, musste schließlich auch die Aussprache stimmen. Ein Lied konnte Wort für Wort richtig übersetzt sein und trotzdem unglaubwürdig klingen, wenn Betonung oder Aussprache nicht passten. Frau Lançon hörte genau hin, übersetzte, korrigierte und beurteilte, ob eine Aufnahme sprachlich so überzeugend war, dass sie schließlich auf Schallplatte erscheinen konnte.
Und während sie von dieser Zeit erzählt, fallen plötzlich Namen, bei denen man automatisch noch einmal genauer hinhört. Einer davon ist Mireille Mathieu. 🎤🇫🇷 Frau Lançon erzählt, dass sie eng mit der bekannten französischen Sängerin zusammenarbeitete und sie auch zu Konzerten begleitete, wenn deutsche Lieder gesungen wurden. Dort übersetzte sie und achtete darauf, dass die deutsche Aussprache stimmte. Eine Sängerin, deren Stimme Millionen Menschen kennen sollten – und eine junge Irmgard mittendrin. Doch damit nicht genug. Im Laufe ihrer Erzählungen fallen auch die Namen Romy Schneider und Alain Delon. Zwei Menschen, die bis heute für eine ganze Ära des europäischen Films stehen. Frau Lançon erinnert sich an eine enge Zusammenarbeit und daran, auch Romy Schneider als Übersetzerin begleitet zu haben. Auch Alain Delon, damals einer der bekanntesten Schauspieler und Frauenschwärme seiner Zeit, gehört zu ihren Erinnerungen an diesen außergewöhnlichen Lebensabschnitt. Während man ihr zuhört, muss man sich immer wieder bewusst machen: Das hier ist keine Geschichte aus einem Film. Das ist die Lebensgeschichte der Frau, die heute vor uns sitzt. 🎬❤️
Doch ausgerechnet inmitten all dieser bekannten Namen sollte ein ganz anderer Mann für Frau Lançon viel wichtiger werden. Kein Filmstar, kein Sänger – sondern ein französischer Küchenchef namens Bernard Lançon. ❤️ Direkt unterhalb der Schallplattenfirma, in der Irmgard arbeitete, befand sich das Restaurant, in dem Bernard als Küchenchef tätig war. Die beiden hatten sich längst bemerkt und offenbar auch schon ein Auge aufeinander geworfen. Eigentlich hätte ihre Liebesgeschichte also beginnen können – wäre da nicht eine kleine Schwierigkeit gewesen: Bernard sprach kein Deutsch. 😄 So verloren sich die beiden zunächst wieder aus den Augen, bevor sie sich überhaupt richtig kennengelernt hatten. Vielleicht hätte es eine dieser flüchtigen Begegnungen bleiben können, an die man sich irgendwann nur noch vage erinnert. Aber ihre Geschichte war offenbar noch nicht zu Ende geschrieben.
Irgendwann begegneten sie sich wieder. Dieses Mal in einem Lokal, in dem französische Chansons gesungen wurden. 🎶 Und vielleicht hätte es für den Beginn ihrer gemeinsamen Geschichte kaum einen passenderen Ort geben können. Zwischen französischer Musik und Chansons kamen Irmgard und Bernard endlich richtig miteinander ins Gespräch. Aus den Blicken von damals wurden Gespräche, aus den Gesprächen wurde Nähe – und aus einer jungen Deutschen und einem französischen Küchenchef wurde schließlich ein Paar. ❤️🇩🇪🇫🇷 Allerdings gab es noch eine kleine Hürde: Frau Lançons Mutter hatte ziemlich klare Vorstellungen davon, was ein zukünftiger Schwiegersohn können sollte. Wenn Bernard zur Familie gehören wollte, dann müsse er bitte auch Deutsch lernen. Und so führte der gemeinsame Weg der beiden irgendwann nach Deutschland, unter anderem damit Bernard seine Deutschkenntnisse verbessern konnte. Aus einer Begegnung in Paris war längst eine gemeinsame Lebensgeschichte geworden.
Mit dem Umzug nach Deutschland begann das nächste große Kapitel: die Gastronomie. Irmgard und Bernard übernahmen gemeinsam das Restaurant „Alt Linzenhäuschen“ und wagten später den nächsten Schritt, indem sie zusätzlich das „La Gorgotte“ in Aachen-Brand eröffneten. Bernard tat das, was er konnte und liebte: Er kochte. 👨🍳 Und Irmgard kümmerte sich um die Menschen, die Gäste und all das, was aus einem Restaurant mehr macht als einen Ort, an dem man lediglich etwas isst. Wenn man Frau Lançons Geschichte hört, zieht sich genau das wie ein roter Faden durch ihr Leben: Menschen, Begegnungen, Sprachen, Gastfreundschaft, Kunst und Musik – und immer wieder der Mut, noch einmal irgendwo neu anzufangen.
Denn Deutschland sollte nicht die letzte Station ihrer gemeinsamen Reise bleiben. 1980 zog es Irmgard und Bernard zurück nach Frankreich. 🇫🇷 Dort kauften sie ein altes, baufälliges Haus. Kein fertiges Zuhause, kein gemachtes Nest, sondern ein Gebäude, aus dem sie erst wieder etwas schaffen mussten. Gemeinsam bauten sie es von Grund auf neu auf. Aus alten Mauern wurde nach und nach ein Zuhause – und schließlich wieder ein Ort, an dem andere Menschen willkommen waren. Sie richteten Chambres d’hôtes mit fünf Gästezimmern ein und boten ihren Gästen nicht nur eine Unterkunft, sondern auch Frühstück und Abendessen an. Und irgendwie setzte sich dort fort, was die beiden schon in Deutschland gemeinsam gelebt hatten: Bernard kochte, Irmgard kümmerte sich um die Gäste. 🏡❤️ Man kann sich nur vorstellen, wie viele Menschen im Laufe dieser Jahre durch ihre Tür gekommen sind, wie viele Gespräche an diesen Tischen geführt wurden, wie oft gemeinsam gelacht wurde und wie viele weitere Geschichten in dieser Zeit entstanden sein müssen.
Frankreich und Deutschland waren dabei längst nicht die einzigen Orte, an denen Frau Lançon im Laufe ihres Lebens zu Hause war. Auch in Belgien lebten die beiden zeitweise. Und dann erzählt Frau Lançon irgendwann beinahe nebenbei, dass sie in ihrem Leben fast 35-mal umgezogen sei. 35-mal Kisten packen, Abschied nehmen, irgendwo neu ankommen und wieder eine Tür zu einem neuen Zuhause öffnen. Wie viele Geschichten allein zwischen all diesen Umzügen liegen müssen, können wir vermutlich nur erahnen. Frau Lançon selbst meinte irgendwann, dass es wohl den Rahmen sprengen würde, all ihre Erlebnisse zu erzählen. Nach allem, was wir bis dahin gehört hatten, konnten wir darüber eigentlich nur schmunzeln – denn wir sind uns ziemlich sicher: Das würde es ganz bestimmt. Vielleicht bräuchte es dafür keinen Facebook-Beitrag. Vielleicht bräuchte es tatsächlich ein ganzes Buch. 📖❤️
Heute ist Frau Lançon bei uns in Süssendell zu Hause. Das Leben ist ruhiger geworden. Paris liegt viele Jahrzehnte zurück, ebenso die Schallplattenfirma, die Konzerte, die Restaurants, das alte Haus in Frankreich, die Gäste und die unzähligen Umzüge. Doch wer glaubt, all das sei deshalb verschwunden, irrt sich. Es ist noch da. In ihren Erinnerungen, in ihren Geschichten und in der Art, wie sie von früher erzählt. Und eine Leidenschaft hat all diese Jahrzehnte überdauert: die Malerei. 🎨 Frau Lançon liebt es, mit Ölfarben zu malen – und zwar nicht nur früher, sondern bis heute. Ihr Zimmer in Süssendell ist voller eigener Werke. Bilder, die sie selbst geschaffen hat, Leinwände voller Farben und Motive, in denen wieder ein kleines Stück dieser Frau steckt, die so unglaublich viel gesehen und erlebt hat. Und während wir ihre Geschichte erzählen, entsteht bereits das nächste Kunstwerk. Frau Lançon malt weiter. 🖌️❤️
Vielleicht hat uns genau das an ihrer Geschichte so berührt. Denn im Pflegealltag kann es leicht passieren, dass das Heute sehr viel Raum einnimmt. Wie geht es einem Menschen? Was braucht er? Welche Unterstützung ist notwendig? Was muss organisiert, versorgt oder dokumentiert werden? All das gehört zu unserer Arbeit. Aber ein Mensch beginnt nicht an dem Tag, an dem er bei uns einzieht. Und genau deshalb ist Biografiearbeit für uns so unglaublich wichtig. Wenn wir Frau Lançon heute begegnen, begegnen wir nicht nur einer Bewohnerin des AWO Seniorenzentrums Süssendell. Vor uns sitzt gleichzeitig noch immer die junge Irmgard, die mit ungefähr 20 Jahren den Mut hatte, nach Paris zu gehen. Die Übersetzerin einer französischen Schallplattenfirma. Die Frau, die Mireille Mathieu zu Konzerten begleitete und von Begegnungen mit Romy Schneider und Alain Delon erzählen kann. Die junge Frau, die sich in einen französischen Küchenchef verliebte, der zunächst kein Deutsch sprach. Die Ehefrau, die gemeinsam mit Bernard nach Deutschland ging. Die Gastronomin, die Restaurants führte. Die Gastgeberin, die ein baufälliges Haus in Frankreich wiederaufbaute und dort Menschen empfing. Die Frau, die in mehreren Ländern gelebt hat und fast 35-mal umgezogen ist. Und die Künstlerin, die bis heute vor einer Leinwand sitzt und malt. All diese Frauen sind Irmgard Lançon. ❤️
Vielleicht ist das eine der schönsten Erkenntnisse, die uns unsere Bewohnerinnen und Bewohner immer wieder schenken: Wir sehen einen Menschen immer nur in seinem Heute – solange wir ihn nicht nach seinem Gestern fragen. Und dann kann sich plötzlich eine ganze Welt öffnen. Eine Welt voller Musik und Liebe, voller Mut und Neuanfänge, voller Begegnungen, Abschiede und Wiedersehen. Manchmal beginnt diese Reise mit einer ganz einfachen Frage: „Erzählen Sie doch mal … wie war das eigentlich früher?“ Und dann heißt es für uns vor allem: zuhören. Wirklich zuhören. Denn vielleicht erzählt uns gerade jemand von einem der wichtigsten Momente seines Lebens.
Genau das bedeutet Biografiearbeit für uns. Nicht einfach Geburtsdaten, Berufe und frühere Wohnorte zu kennen, sondern den Menschen dahinter kennenzulernen. Zu erfahren, was ihn geprägt hat, was er geliebt hat, worauf er stolz ist, welche Erinnerungen ein Lächeln hervorrufen und welche Leidenschaften ihn vielleicht bis heute begleiten. Liebe Frau Lançon, danke, dass Sie uns Ihre Erinnerungen anvertrauen. Danke, dass Sie uns mitnehmen – zurück nach Paris, zu französischen Chansons, in die Welt der Schallplatten, in die Restaurants in Deutschland und in ein altes Haus in Frankreich. Danke, dass wir ein kleines Stück dieses außergewöhnlichen Lebens kennenlernen dürfen. ❤️
Und wenn Frau Lançon sagt, dass all ihre Geschichten vermutlich jeden Rahmen sprengen würden, dann können wir darauf eigentlich nur eines antworten:
Erzählen Sie ruhig weiter. Wir hören Ihnen gerne zu. 🫶
Denn hinter jeder Zimmertür in Süssendell lebt nicht einfach nur eine Bewohnerin oder ein Bewohner. Dort leben eine Kindheit und eine Jugend, erste Lieben, Berufe, Familien, Erfolge und Niederlagen, Abenteuer und Neuanfänge. Dort leben Erinnerungen. Dort lebt ein ganzes Leben. ❤️ Und manchmal haben wir das große Glück, dass uns jemand die Tür zu diesem Leben ein kleines Stück öffnet.
Dieser Beitrag gibt die persönlichen Erinnerungen und Erzählungen von Frau Irmgard Lançon wieder.
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