04/09/2026
Eine Falschmeldung über Babyflaschen. Ein Wahlkampf. Und ein Zweifel, der blieb.
Im brasilianischen Wahlkampf 2018 kursierte in sozialen Netzwerken die Nachricht, die Arbeiterpartei um Fernando Haddad wolle Trinkflaschen mit Saugern in Pen*sform an staatliche Kitas verteilen, um Kindern eine homosexuelle Ideologie aufzuzwingen. Die Meldung war falsch. Verbreitet hatte sie sich da längst. Sie säte Zweifel und beschädigte das Ansehen der Partei.
Der Schauspieler Wagner Moura sagte nach dem Amtsantritt, Brasilien habe keinen Präsidenten gewählt, sondern eine Babyflasche.
Aus der Kampagne wurde Regierungshandeln. Unter der Formel Gott, Vaterland, Familie setzte Bolsonaro LGBTIQ+ Themen mit der Zerstörung der Familie gleich und schloss queere Menschen aus den Leitlinien zur Förderung der Menschenrechte aus. Das Kulturministerium schaffte er als eine der ersten Amtshandlungen ab. Minderheiten, so hatte er es formuliert, sollten sich dem Willen der Mehrheit beugen. Schwarze Menschen machen in Brasilien 56 Prozent der Bevölkerung aus.
Getragen wird dieser Kulturkampf von einer eigenen Infrastruktur. Das 2016 gegründete Medienunternehmen Brasil Paralelo produziert Filme zu Geschichtsrevisionismus und Kulturkampf, gab zwischen 2020 und 2024 rund 25 Millionen Reais, etwa 4,2 Millionen Euro, allein für Anzeigen bei Meta aus und verteilt rechte Inhalte an Schulen und NGOs.
Der Widerspruch bleibt.
Brasilien hat die Ehe für alle seit 2013, seit 2019 ist Queerfeindlichkeit dem Rassismus strafrechtlich gleichgestellt, und zugleich verzeichnet das Land weltweit die höchste Zahl an Morden an trans Personen.
Bolsonaro wurde 2025 wegen des versuchten Staatsstreichs verurteilt. Im Oktober 2026 tritt sein Sohn Flávio gegen Lula da Silva an, mit derselben Strategie: Desinformation, Massenmanipulation, Verbreitung von Hass.
Valéria Silva Fekete analysiert den Fall in „Gott, Vaterland, Familie. Der Kulturkampf der Rechten in Brasilien". Der Text erschien zuerst im iz3w, Heft 414, und ist Teil unseres Dossiers Kulturkampf, einem Kooperationsprojekt mit
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