05/01/2026
Pressemitteilung: 2. Januar 2026
Sexismus- und Nazivorfälle in Zweibrücker Kaserne -Forderung nach Untersuchung auf Bundesebene -Weiterer Standort des betroffenen Regiments auch im Saarland(Merzig)!
Zweibrücken/Saarlouis/Trier, 1. Januar 2026 – Die jüngsten Enthüllungen über mutmaßliche Vorfälle von Sexismus, sexualisiertem Fehlverhalten und Rechtsextremismus innerhalb des Fallschirmjägerregiments 26 in Zweibrücken sind zutiefst erschütternd und stellen die Integrität der Bundeswehr erneut in Frage. Berichte über "Hitlergrüße", "Judensau"-Beschimpfungen, "Nazi-Partys" und frauenverachtende Parolen wie "Nein heißt Ja, und Ja heißt a**l" zeichnen das Bild einer extrem verstörenden Kultur, die in einer bundesdeutschen Truppe keinen Platz haben darf.
Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken ermittelt derzeit gegen Dutzende Soldaten, unter anderem wegen Volksverhetzung, der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Drogenkonsums. Dies kommt nicht überraschend. So fällt die Saarlandbrigade seit den 80er Jahren immer wieder durch positiven Bezug auf die faschistische Wehrmacht auf z. B. beim praktizierten Liedgut. Dazu gehört die Verherrlichung von nationalsozialistischen Eroberungsfeldzügen und der Stolz auf die Tradition deutscher Fallschirmjäger inklusive Wehrmacht.*
Zur Frage der Zuständigkeit und Überforderung angesichts rechtsterroristische Netzwerke, an denen auch Soldat*innen beteiligt sind:
(vgl. https://www.imi-online.de/2024/07/03/soldatinnen-und-polizistinnen-in-rechten-netzwerken/)
Angesichts der Dimension und der strukturellen Relevanz der Vorwürfe stellt sich die dringende Frage, ob die örtliche Staatsanwaltschaft Zweibrücken personell und strukturell für eine derart komplexe, bundesweit relevante Untersuchung gerüstet ist. Die Vorfälle reichen weit über lokale Kriminalität hinaus und berühren das Fundament der Inneren Führung der gesamten Bundeswehr. Es besteht die Sorge, dass eine rein lokale Untersuchung nicht die notwendige Unabhängigkeit und Ressourcen hat, um mögliche systemische Probleme oder gar eine Verharmlosung aufzuklären.
Wir fordern daher eine sofortige Prüfung durch das Bundesministerium der Justiz und das Bundesministerium der Verteidigung, ob die Ermittlungen nicht an eine übergeordnete, spezialisierte Behörde – beispielsweise die Generalbundesanwaltschaft bei Verdacht auf staatsgefährdende Tendenzen oder eine Sonderkommission auf Bundesebene – übergeben werden müssen. Nur eine umfassende und von der lokalen Ebene unabhängige Untersuchung kann Voraussetzungen schaffen, um das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit wiederherzustellen. Seit Jahren gibt es eindeutige Hinweise dass bewaffnete staatliche Institutionen von rechts unterwandert werden (vgl. IMI-Studie 2022/8 Keine Einzelfälle! Wie der Staat mit rechten Soldat*innen und ihren Netzwerken umgeht)
Es ist unerlässlich, dass die Verantwortlichen auf allen Ebenen zur Rechenschaft gezogen werden und sichergestellt wird, dass Rechtsextremismus und sexualisierte Gewalt in keiner Kaserne geduldet werden.
Darüber hinaus....
muss die Frage gestellt werden, ob das aktuelle gesellschaftliche Klima von übertrieben propagierter Kriegstüchtigkeit, zügellosem "Werben fürs Sterben" / für den Kriegsdienst und fortgesetzter Aufrüstung nicht den Nährboden für derartige Auswüchse bildet. Ob es nicht bereits für die demokratische Substanz unseres Landes besser wäre in Hinblick auf Militarisierung einige Gänge herunterzuschalten und mehr für Gewaltlosigkeit, Zivile Konfliktbearbeitung, Diplomatie und Frieden zu werben.
*So wurde beispielsweise gegen ein Gelöbnis der Saarlandbrigade am 18.5.1993 in Merzig protestiert um gegen rechte Traditionen, die Militarisierung der Gesellschaft und die Auslandseinsätze für "wirtschaftliche Interessen", aber auch weil die Saarlandbrigade regelmäßig im türkischen Teil Kurdistans übte, und beim umstrittenen Auslandseinsatz in Somalia 1993 dabei war.
https://archiv.a3wsaar.de/wiki/images/0/09/1995-03_Flugschrift_2_Die_Saarlandbrigade_-_Eine_Einheit_der_NATO.pdf
Friedensnetz Saar und DFG-VK/Trier; Kontakt: Bilsdorfer Str. 28, 66793 Saarwellingen ,T.01748257433. [email protected], www.friedensnetzsaar.com V.i.S.d.P.: Waltraud Andruet
Für Diplomatie, raus aus der Aufrüstungsspirale! Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! N***s und AFD bekämpfen! Klimawandel stoppen! Asyl ist Menschenrecht!