18/02/2022
Haushaltsrede 2022
FDP-Kreistagsfraktion Tuttlingen
Tuttlingen-Möhringen, 17.Feb 2022
Sehr geehrter Herr Landrat, liebe Kreistagskolleginnen und –kollegen, meine Damen und Herren,
ich möchte zum Beginn der heutigen Kreistagssitzung der pandemischen Lage und der damit verbundenen Auflagen nur ein kurzes Statement zum Haushaltsplan 2022 abgeben. Im Gegensatz zum Vorjahr, dort wurden fast taggenau vor einem Jahr die Stellungnahmen der Fraktionen ausschließlich in schriftlicher Form übergeben und auf das gesproche Wort verzichtet. In diesem Jahr war der allgemeine Wunsch, sich kurz zu fassen, diesem Wunsch kommen wir nach. Unsere Stellungnahmen und Aussagen zu den anderen Themen können wie in den Vorjahren auf der Homepage des Kreises nachgelesen werden.
Gingen schon vor einem Jahr der Verabschiedung des Haushalts 2021 viele Beratungen in den Auschüssen, der Haushaltsstrukturkommission sowie in den Fraktionen voraus, so war dies im Vorfeld des Haushalts 2022 noch intensiver und umfangreicher.
Dass sich viele Zahlen von der ersten Kalkulation und Aufstellung des Haushaltsplanes bis zur Verabschiedung ändern, ist kein Alleinstellungsmerkmal des Kreises, das ist in jeder Gemeinde so.
So haben sich auch viele Ansätze und Zahlen geändert, wobei man von einer ursprünglich notwendigen Erhöhung der Kreisumlage von 1,5 Prozentpunkten auf 0,35 Prozentpunkten zurückgehen konnte, um den Haushaltsausgleich zu schaffen. Dafür sind viele Gründe und Ursachen maßgeblich. Es war auch keine leichte Aufgabe für den neuen Finanzdezernenten Alexander Hersam in kurzer Zeit den Haushaltsplan bei einer angespannten personellen Besetzung der Kämmerei aufzustellen. Ihm gilt an dieser Stelle ein besondere Dank.
Für unmöglich halte ich die öffentliche, unsachgemäße Kritik am Finanzdezernenten und Landrat. Man kann unterschiedlicher Meinung sein und auch konstruktive Kritik üben. Das war aber nicht mehr konstruktiv und sachlich.
Am Ende zahlreicher Beratungen liegt nun der Vorschlag der Kreisverwaltung auf dem Tisch die Kreisumlage um 0,35 Prozentpunkte zu erhöhen um den Ausgleich und damit auch die geplanten Baumaßnahmen, -vorwiegend im Unterhaltungsbereich- einschließlich der Tilgung erreichen zu können. Diese Erhöhung der Kreisumlage ist unserer Meinung nach verantwortbar, wobei wir schon auch die teilweise schwierige Haushaltssituation vieler Gemeinden kennen, die aber auch größtenteils strukturell bedingt ist.
Es ist und wäre ein Zeichen der Solidarität der Kommunen mit dem Kreis - als eine Art Risikovorsorge - diesem Antrag der Kreisverwaltung auf eine moderate und wohl für jeden vekraftbare Erhöhung von 0,35 Punkten zuzustimmen
Wir halten den gemeinsamen Antrag der Fraktionen von CDU und FW auf Null mit dem Hinweis für den Ausgleich auf Einsparung gerade im Sozialbereich für spekulativ. Etwa mit dem vermuteten Rückgang von Fallzahlen bei der Hilfe zur Pflege sowie dem Eingliederungshilferecht zu begründen, ist sehr wagemutig. Woher, meine Damen und Herren, wissen Sie von einem solchen Rückgang? Die derzeitige Lage sieht anders aus.
Auch die erwähnten 50 000 Euro für den Wegfall der Stelle Netzwerk international ist nicht realistisch, und das wissen Sie auch. 50 000 Euro sind das Gesamtjahresbudget. Im Ausschuß wurde zwar mehrheitlich beschlossen, die Stelle nicht zu streichen ,was aber nur für 2022 galt und gilt. Damit wollte man die derzeit bereits geplanten Aktionen noch durchführen können. Diese Anregung kam auch von den beiden antragstellenden Fraktionen. Eine Kündigung und damit Aufhebung der Stelle bzw. des Finanztransfers für diese Stelle an die VHS wäre realistisch betrachtet zum 30. September möglich. Die tatsächliche Einsparung liegt dann bei rund 12 000 bis 13 000 Euro, und nicht bei 50 000.
1.Wir stehen nach wie vor hinter den Beschlüssen der Ausschüsse: Die Kürzung für die freien Träger nicht umzusetzen. Damit soll die vielfältige Arbeit der ebenso vielfältigen Träger nicht gefährdet werden.
2.Die Kürzung der Zuschüsse für die freie Jugendarbeit an die Kommunen. Um es in aller Deutlichkeit klar zu sagen: Es geht hier nicht um eine Einschränkung der Arbeit der Schulsozial- und Jugendarbeit. In keiner Weise, dort wird sehr gute Arbeit geleistet die in der heutigen Zeit wichtiger denn je ist. Dadurch dass die Gemeinden erhöhte Zuschüsse für diese Arbeit vom Land erhalten, werden die Kürzungen durch den Kreis nahezu vollständig kompensiert.
Wir stimmen dem Haushaltsplan so wie er nunmehr aufgestellt und vorgelegt wurde, einschließlich der 0,35 prozentigen Erhöhung der Kreisumlage zu.
Ich möchte mich zum Schluss meiner Ausführungen im Namen der FDP-Fraktion bei Ihnen Herr Landrat Bär, und bei allen Dezernenten für die Zusammenarbeit im abgelaufenen Jahr bedanken. Ein Dank gilt auch den Mitgliedern des Kreistages für das offene und faire Miteinander.
Ein Dank von uns an alle ehrenamtliche tätigen Einwohner im Kreis, ohne deren Arbeit in den unterschiedlichsten Bereichen unser Kreis um vieles ärmer wäre. Ein Dank auch an alle Sponsoren und Förderern die Schulen und Einrichtungen im gesamten Kreis unterstützen.
Zum Schluß ein nicht minder herzlichen Dank an alle Mitarbeiter des Landkreises sowie der Kliniken für ihre geleistete wertvolle Arbeit
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Weitere Ausführungen der FDP-Fraktion zu den Aufgabenbereichen des Landkreises, die nicht in Wort vorgetragen wurden, sondern in Schriftform zu Protokoll gebracht werden:
Die Pandemie mit dem Virus Covid-19 mit all seinen Varianten trifft derzeit auch den Landkreis Tuttlingen mit voller Wucht. Lockdown, viele Einschränkungen, die Einteilung der Einwohner in den unterschiedlichen „G’s“. Oft sind Entscheidungen der Politik nicht nachvollziehbar, manches scheint willkürlich, nicht alles mit gesunden Menschenverstand nachvollziehbar. In einer Demokratie gehört auch die Akzeptanz der Meinung des Mitmenschen hinzu, aber bitte alles mit der gebotenen Fairness. Radikalisierungen haben in den ganzen Diskussionen nichts zu suchen.
Derzeit läuft man aber Gefahr, dass man sich an die Einschränkungen und Auflagen langsam gewöhnt, viele ignorieren dies so inzwischen aufgrund der ständig ändernden Aussagen der Politik und Fachleute. Was heute gilt, ist morgen überholt. Die Pandemie hat auch die Kreisverwaltung, hier vor allem den Landrat sowie das Sozialdezernat sehr intensiv gefordert.
Wir glauben, niemand hätte sich um eine solche Aufgabe freiwillig gerissen. Deshalb ein Dank an alle die sich hier teilweise über Gebühr eingesetzt haben.
Schon im letzten Jahr haben wir kritisch angemerkt, dass die Bürokratie trotz der Zusage unseres Ministerpräsidenten, diese abzubauen, eher zunimmt. Es muss endlich ein Ende haben, Vorschriften und laufend neue Gesetze und Verordnungen zu erlassen, die dann vom Landratsamt beachtet werden müssen. Davon kann inzwischen jeder Handwerker, Industriebetrieb, Landwirt und Bauherr ein Lied singen. Oft mit unsäglichen Auflagen für zahlreiche Gutachten und Stellungnahmen. Wenn auch manche Personalstelle vom Land hierfür voll finanziert wird, müssen wir die Mitarbeiter unterbringen. Die Raumreserven des Neubaus sind auch durch solche Stellenvermehrungen, die oft mit nicht nachvollziehbaren zusätzlichen Überwachungsaufgaben und Auflagen einhergehen längst verbraucht.
Was den öffentichen Personennahverkehr (ÖPNV) betrifft, so gibt es auch dort sicher ein Einsparpotential. Busse wie der Vorschlag des Landes es vorsieht, von fünf bis 24 Uhr fahren zu lassen, halten wir weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Auch wenn diese mit umweltfreundlichen Treibstoffen betrieben werden. Da werden wir uns in der Klausurtagung intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Was ist umweltfreundlich und sinnvoll? Nur auf elektrobetriebene Busse zu setzen, halten wir für einen Irrweg. Wo soll denn der ganze Ökostrom in den nächsten Jahren herkommen?
Ökologisch kann dieser nicht zu 100 Prozent erzeugt werden. Wir halten es nach wie vor für dringend geboten, mit Bund und Land zu verhandeln, um das Angebot eines umweltfreundlichen Antriebsmediums, dem Wasserstoff, im Landkreis möglichst zentral, schaffen zu können.
Was ist zuerst da, das Ei oder die Henne? Die Tankstelle oder die Fahrzeuge? Ohne Aussicht, diese Energie tanken zu können, kauft niemand Fahrzeuge mit dieser Antriebstechnologie. Wasserstoff für den Betrieb von Bussen, oder auch LKW’s ist umweltfreundlich, sofern dieser umweltfreundlich hergestellt wird. Da ist die hohe Politik gefordert, entsprechende Projekte wie die Herstellung von Wasserstoff aus überschüssigem Strom etwa bei den Windkraftanlagen in der Nordsee und Norddeutschland herzustellen zu fördern und forcieren, als den Betreibern Geld zu zahlen, um die Produktion einzustellen.
Wichtig ist aber eine Möglichkeit des Betankens vor Ort. Tuttlingen mit dem Dreh- und Angelpunkt des Busverkehrs wäre ein geeigneter Standort für eine Wasserstofftankstelle, sowohl für Busse, für Fahrzeuge von Behörden, Firmen und Privatpersonen. Wir haben im Kreis eine solche Tankstelle, die wurde aber aus anderen Gründen entlang der Autobahn und der Nähe des Daimler Prüfzentrums gebaut: in Kirchen-Hausen. Hier ist der Kreis gefordert, die Möglichkeit dieser Treibstoffversorgung in der Kernstadt oder in unmittelbarer Nähe zu schaffen und Fördermöglichkeiten zu eruieren. Wenn schon an der Hochschule in Tutltingen eine entsprechende Initiative vorhanden ist, würde dies sogar noch unterstützend wirken. Wenn eine Pressemitteilung des Landratsamtes am 30.7. 2020
mit der Überschrift „Wasserstoff- Landkreis Tutltingen intensiviert Bemühungen für nachhaltige Mobilitätstechnologien“ Hoffnung macht, dann müssen eigentlich neben der Forschung auch Taten folgen, und die wären, zuerst ein Angebot zu schaffen.
Was den ÖPNV mit den Schwachlastangeboten betrifft, muss nach Alternativen Ausschau gehalten werden. Schon vor einigen Jahren haben wir die Möglichkeit von Ruftaxis ins Gespräch gebracht, wir halten dies nach wie vor für eine der vielen Möglichkeiten.
Und gespannt sind wir auf die Neuordnung des ÖPNV ab nächstem Jahr in den drei Landkreisen mit ganz anderen, kundenfreundlichen Tarifen. Wir wissen aber auch, dass hier Mehrkosten auf uns zukommen. Das dürfte aber ebenso wie eine mögliche Einnahme durch die Vermietung von Werbeflächen an den Bussen weiteres Gesprächsthema bei der Klausurtagung sein.
Im Klinikbereich sind wir in Spaichingen einen Schritt weitergekommen, was die Neuorien-tierung und neue Angebote betrifft. Hier soll es künftig Angebote geben die weit über den Landkreis hinaus Pilotcharakter haben. Aber wir wissen auch, dass dies bis zur Umset-zung auch unsere Haushalte belastet, wenn auch schon projektbezogene Rücklagen gebildet wurden. In Tuttlingen stehen Investitionen in Millionenhöhe an, zuerst das Parkhaus, das sich ja selbst rechnen soll, und dann die Modernisierung der Klinik. Diese Investitonen wird die Klinik wohl nicht alleine erwirtschaften können. Da ist es gut, in guten Zeiten, wenn auch geringe Rücklagenerhöhungen schaffen zu können. Und dafür ist jeder Cent erforderlich, weshalb eine Erhöhung der Kreisumlage um lediglich 0,35 Prozent-punkte ein kleiner Schritt wäre. Solidarität mit dem Kreis durch die Gemeinden funktioniert anders. Wenn kleine Gemeinden strukturelle Probleme haben, können diese nicht zu Lasten des Landkreises gehen, da müssen sich die Gemeinden über strukturelle Veränderungen selbst Gedanken machen. Dadurch gingen nirgendwo die Lichter aus.
Paul Haug
Vorsitzender der FDP-Kreistagsfraktion
Haushaltsplan 2022 des Landkreises Tuttlingen
446 Seiten
Ergebnis-Haushalt
Erträge 253.523.500 €
Aufwendungen 256.262.900 €
Ergebnis - 2.739.400 €