14/01/2022
„Querdenken“ versenken!
15.01.2022 - Gemeinsam gegen den reaktionären Aufmarsch in Uelzen
--- Aktualisiert am 14.01.22 - 14:50 Uhr ---
Für den 15. Januar 2022 wird ein Aufmarsch unter dem Motto „Wir lassen uns nicht spalten. Für eine freie Impfentscheidung“ angekündigt. Dieser ist auch bei der Stadt Uelzen angezeigt worden.
Es handelt sich dabei um eine Versammlung von Coronaleugner*innen, Impfverweiger*innen, Verschwörungsideolog*innen, Rechten und sonstigen Menschenfeinden, die sich wissenschaftlichen Fakten und einer solidarischen Lösung der Corona-Krise widersetzen.
Offensichtlich wird hier eine Initiative aus Lüneburg übernommen wurde bzw. aus Lüneburg nach Uelzen übertragen wird. Der Aufruf für Uelzen wurde auch von "Querdenken - 413" (Lüneburg) geteilt und ist textlich und optisch identisch mit dem, mit welchen für den Aufmarsch am vergangenen Samstag in Lüneburg geworben wurden. Nur das Datum und der Ort wurden angepasst.
Hinter "Querdenken - 413" stecken Personen, die aus dem esoterischen Spektrum stammen. Inhaltlich standen/stehen in der Öffentlichkeit bei ihnen die Themen "Grundrechte", eine generelle "Kritik am Impfen", Verharmlosung von Corona und das ein starkes Immunsystem der beste Schutz vor Corona sein soll, im Vordergrund. Es stehen eher sozialchauvinistische Einstellungen im Vordergrund, als antisemitische Narrative. In Lüneburg beteiligten sich seit Beginn der Aktionen im Jahr 2020 immer wieder Reichsbürger, AfDler und andere extreme Rechte an deren Veranstaltungen. Verschwörungserzählungen werden ebenso dort verbreitet und geteilt.
Schon seit Mitte/Ende 2020 gibt es Verbindungen zwischen Lüneburg und Uelzen. Als 2020 die ersten Veranstaltungen von Coronaleugner*innen vor dem Uelzener Rathaus stattfanden, waren immer mehrere Personen aus dem Landkreis Lüneburg unter den Teilnehmer*innen. In Lüneburg trat 2020 und bis Sommer 2021 immer wieder Pirmin Müller-Bernhardt aus Bienenbüttel in hervorgehobener Rolle bei fast allen reaktionären Versammlungen auf. Er ist heute in der "Basisdemokratischen Partei" (DieBasis) aktiv, die in Lüneburg ein Teil der aktuellen Veranstaltungen ist. Die Partei ist regional eine Sammelbewegung der verschiedenen Spektren der Coronaleugner*innen und Impfgegner*innen.
Am vergangenen Samstag waren in Uelzen unter den Teilnehmer*innen des nicht angezeigten „Spaziergang“, zu dem die rechte Gruppierung „Freie Niedersachsen“ aufgerufen hatte, auch Personen, die am Mittag noch in Lüneburg an der Veranstaltung teilgenommen haben und dort offensichtlich in der Organisationsstruktur eingebunden waren.
Es ist davon auszugehen, das jetzt Leute von "Querdenken" aus Lüneburg und der Partei „DieBasis“ hinter der geplanten Veranstaltung in Uelzen stehen. Wie schon in Lüneburg zu beobachten war, sehen diese Leute in der Initiative von "Freie Niedersachsen" eine Konkurrenz und wollen sich den nicht angezeigten "Spaziergängen" nicht anschließen. Die Art und Weise dieser Initiative sehen sie auch als kontraproduktiv an und ihr Bild in der Öffentlichkeit dadurch gefährdet. Sie befürchten, dass durch die ständigen Auseinandersetzungen auf der Straße ihren Themen in den Hintergrund treten. Sie wollen lieber gesetzeskonform erscheinen und der Konfrontation mit der Polizei aus dem Weg gehen. Dadurch erhoffen sie sich einen größeren Zuspruch in der Öffentlichkeit und höhere Teilnehmer*innenzahlen. Ihr Konzept soll jetzt auf Uelzen übertragen werden und somit der Initiative der „Freien Niedersachsen“ das Wasser abgegraben werden.
Auch ist davon auszugehen, dass viele der Leute aus Uelzen, die zuletzt an den "Spaziergängen" beteiligten waren, die kleinen Unterschiede nicht kennen oder daran überhaupt kein Interesse haben. So wird der Aufmarsch auch von diesen beworben. Erhoffen sie sich vermutlich alle wieder eine ungestörte Veranstaltung und der "revolutionäre" Elan scheint auch etwas erloschen zu sein.
Das es Konflikte untereinander gibt (und geben wird), zeigte sich schon am letzten Samstag. Mehrere Leute beklagten sich lauthals über die Verhandlungen mit der Polizei und den letztendlich nach dem Versammlungsgesetz angezeigten kurzen Aufzug. Auch gegen das Tragen von Masken wurde sich ausgesprochen. Dies führte auch in Lüneburg schon zu Diskussionen und Streitigkeiten.
Der reaktionäre Aufmarsch soll um 11 Uhr am Ratsteich (Hammersteinplatz) in Uelzen beginnen. Von dort soll es einmal durch die Innenstadt. Dabei führt die Route direkt an der Kundgebung des örtlichen Bündnis für Demokratie und Toleranz vorbei.
Über den Kanal der "Freien Niedersachsen" wird jetzt ein "Spaziergang" für Freitag, den 14. Januar 2022 angekündigt. Ihr Treffen am 15. Januar 2022 wurde gestrichen.
Die Kundgebung des BfDuT beginnt um 10:30 Uhr auf dem Herzogenplatz (Rathaus).
„Querdenken – 413“ bewirbt unterdessen die Aufmärsche in Uelzen und Hamburg sowie eine Veranstaltung in Celle. Außerdem wollen sie sich am 15.01.2022 von 11 bis 14 Uhr am Lambertiplatz treffen. Wie in den vergangenen Monaten, findet dort ihr wöchentlicher "Infostand" statt.
In Lüneburg findet am kommenden Montag (17.01.2022) eine Kundgebung von „Lüneburg solidarisch“ statt, welche sich gegen die wöchentliche Versammlung von „Querdenken“ auf dem Lambertiplatz richtet. Beginn ist um 18:30 Uhr am Lambertiplatz in Lüneburg