30/01/2021
Verschwörungserzählungen haben oft einen antisemitischen Kern. Diese Broschüre zeigt dass sehr gut auf
Aus unserer Broschüre "'Das muss man auch mal ganz klar benennen dürfen' - Verschwörungsdenken und Antisemitismus im Kontext von Corona"
https://report-antisemitism.de/documents/RIAS_Bayern_Monitoring_Verschwoerungsdenken_und_Antisemitismus_im_Kontext_von_Corona.pdf
Die Adrenochromerzählung
Adrenochrom ist ein Stoffwechselprodukt von Adrenalin und kann auch im Labor künstlich hergestellt werden. In verschwörungsideologischen Kreisen kursiert allerdings die Erzählung, es gäbe ein geheimes Netzwerk von Eliten, das Kinder entführen, in unterirdischen Tunneln gefangen halten und foltern würde, um ihnen das durch Angst ausgeschüttete Adrenochrom aus der Blutbahn abzuzapfen. Nicht zuletzt eine auch als „satanisch“ bezeichnete „Hollywoodelite“ würde Adrenochrom als Droge zur eigenen Verjüngung einsetze. Eng damit verbunden sind Vorwürfe sexuellen Mißbrauchs der Kinder. Die Verschwörungserzählung rund um Adrenochrom wird in den USA insbesondere von QAnon-Gläubigen propagiert, in Deutschland wurde sie auch durch Äußerungen des Sängers Xavier Naidoo bekannt.
Die Adrenochromerzählung enthält mehrere antisemitische Elemente. Zum einen werden die angeblichen Täter:innen oft als jüdisch gekennzeichnet. Hierbei kommt der Verschwörungserzählung der verurteilte Sexualstraftäter und Investmentbanker Jeffrey Epstein gelegen: Er hatte eine Vielzahl teilweise minderjähriger Mädchen vergewaltigt und einen Ring zu ihrer sexuellen Ausbeutung betrieben. Epstein und einige seiner Mitbeschuldigten sind Juden. Das wird zum Anlass genommen, menschliches Fehlverhalten einer bestimmten Gruppe zuzuschreiben. Hier mischen sich reale Verbrechen mit antisemitischen Bildern. Solche sind beispielsweise der Vorwurf der Pädophilie sowie der hinterlistigen „Verführung“ junger Frauen mittels Geist und Geld. Dass im Fall Epstein tatsächlich ein Jude Verbrechen begangen hat, dient dabei nur als Bestätigung der antisemitischen Fantasien. Auch das Motiv des einflussreichen und unvorstellbar reichen Investmentbankers, der nicht wirklich arbeite, sondern vom Geld anderer Leute lebe, ist anschlussfähig für antisemitische Stereotype.
Das angebliche Abzapfen eines Stoffwechselprodukts aus der Blutbahn von Kindern ist eine modernisierte Version der jahrhundertealten antisemitischen Ritualmordlegende. Seit dem Mittelalter kursiert das Gerücht, Juden würden christliche Kinder ermorden und deren Blut zum Einbacken in ihre Mazzen (ungesäuertes Brot), für Zauberei oder zur Heilung ihnen angeblich angeborener Leiden verwenden. Dies wird von vielen Anhänger:innen der Adrenochromerzählung auch genauso verstanden. Immer wieder werden mit expliziten Verweisen auf die Ritualmordlegende Inhalte geteilt, nach denen Juden eigentlich hinter der Adrenochromverschwörung stecken würden.
Zudem gibt es mit der Adrenochromerzählung auch eine Verbindung zum nicht selten antisemitisch aufgeladenen Vampirmythos bzw. zu Vampirdarstellungen, also „blutsaugend“, „parasitär“ und tendenziell sexuell übergriffig, die ihrerseits Anleihen bei der antijudaistischen Ritualmordlegende nehmen.
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