06/06/2026
Heute hatte Eguzoro Ubochi von der AfA Mönchengladbach einen Spaziergang zum St. Josefsheims in Waldniel-Hostert organisiert, das vielen noch als „Kent School“ bekannt ist.
Empfangen wurden wir an der St. Maria Himmelfahrt von Dr. John Lentzsch. Er führte uns mit großem Fachwissen durch die wechselvolle Geschichte des Ortes.
Das ehemalige St. Josefsheim wurde zwischen 1909 und 1913 von Franziskanern als Heim und Arbeitsstätte für Menschen mit Behinderungen errichtet.
Die Geschichte des Geländes lässt sich in mehrere Epochen gliedern. Von 1909 bis 1937 wurde die Anlage von Franziskanern betrieben. Der Orden errichtete dort Wohn- und Arbeitsstätten für geistig und körperlich behinderte Menschen. Im Jahr 1937 mussten die Franziskaner die Einrichtung nach einem sogenannten Sittlichkeitsprozess verlassen.
Während der Zeit des Nationalsozialismus von 1937 bis 1945 wurde die Einrichtung der staatlichen Heil- und Pflegeanstalt Süchteln angegliedert. Ab 1941 fungierte sie als sogenannte „Kinderfachabteilung“. Mehr als 100 Kinder wurden dort im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms ermordet. Das ehemalige Josefsheim wurde damit zu einem Ort schwerster nationalsozialistischer Verbrechen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude zunächst unter anderem als britisches Hospital genutzt. Von 1952 bis 1991 befand sich dort die bekannte britische Internats- und Tagesschule „Kent School“, an die sich viele Menschen in der Region noch erinnern.
Besonders bewegend war der Besuch der heutigen Gedenkstätte. Sie erinnert an die mehr als 500 geistig kranken und behinderten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die zwischen 1939 und 1945 in der „Abteilung Waldniel“ starben. Ihre Namen sind nicht vergessen. Sie sind auf der dunklen Gedenkwand am Rand des ehemaligen Anstaltsfriedhofs verewigt. Das Leiden der Opfer und ihrer Angehörigen sowie die Unmenschlichkeit der Täterinnen und Täter sind heute umfassend dokumentiert und mahnen uns, die Erinnerung wachzuhalten.
Die Führung machte eindrucksvoll deutlich, wie wichtig historisches Gedenken und die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auch heute noch sind. Ein herzlicher Dank gilt Eguzoro Ubochi für die Organisation und bei Dr. Lentzsch für die informative, eindrucksvolle und bewegende Führung und den Hinweis auf ein besonderes Projekt der Lebenshilfe Viersen.
Ein Film der die Geschichte von Ally erzählt einem vierjährigen Mädchen mit Down-Syndrom, das dem nationalsozialistischen Euthanasieprogramm in Waldniel-Hostert zum Opfer fiel. Der Film soll dokumentarische Elemente mit Animationen verbinden, um die Geschichte einfühlsam und zugleich pädagogisch wertvoll zu vermitteln.
Er wird nicht nur Allys Schicksal und das vieler anderer Opfer beleuchten, sondern auch als Instrument dienen, um auf die Gefahren von Diskriminierung und rechtsextremem Gedankengut hinzuweisen.
Eine spontane Hutsammlung brachte 148,50 € für das Projekt
Hier kann man durch eine Spende unterstützen
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