09/05/2026
Am 9. Mai 2026 feiern wir den Weltzugvogeltag, mit besonderem Blick auf den, bei uns im Ahlenmoor lebenden Kranich. Auf seiner weiten Reise vom Norden Europas bis an das Mittelmeer ist er auf sichere Rastplätze angewiesen. Ein solcher ist das Ahlenmoor. Das flache Moorwasser bietet Sicherheit für den Kranich, durch Schutz vor Fressfeinden die sich nicht lautlos anschleichen können. Mit ausreichend Nahrung auf umliegenden Feldern ist das Moor sehr geeignet für eine Rast des Zugvogels.
Zusammen mit unserem Moorbahnfahrer Karl-Heinz gehen traditionell die Freiwilligen des MoorIZ ab September Kraniche zählen, die hier Rast machen. Als ich mitgezählt habe kamen wir auf ungefähr 4600 Kraniche. Diese Menge an Kranichen haben wir natürlich nicht exakt gezählt, sondern über Schätzungen in 10er oder 50er Gruppen. Geschulte Augen, wie die von Karl-Heinz, können diese Gruppen natürlich besser einschätzen als ich das kann, aber mit der Zeit wurde ich immer besser.
Wenn man zur aktuellen Jahreszeit im Ahlenmoor unterwegs ist, kann man schon die angekommenen Kiebitze und Bekassinen sehen. Wahrscheinlich eher zu hören. Beide Arten überwintern ebenfalls in der Mittelmeerregion und sind jetzt zurück, um zu brüten.
Man könnte annehmen, dass man im Winter keine Zugvögel im Ahlenmoor findet, weil alle im Süden sind. Dem ist aber nicht so! Aus der Sicht der Singschwäne liegt das Ahlenmoor nämlich schon südlich genug. Sie wohnen normalerweise in Mooren oder Tundraseen in Skandinavien und Russland.
Ähnlich wie Singschwäne bahnen sich auch Sumpfohreulen ihren weg von Skandinavien, aber auch Osteuropa, in das Ahlenmoor, um hier zu überwintern.
Neben den Vogelarten, die hier überwintern und denen, die von hier wegfliegen, um südlicher zu überwintern, gibt es auch sogenannte Teilzieher. Diese Vogelarten kombinieren das Fliegen in den Süden, das Kommen aus dem Norden, um hier zu überwintern und ein gewissen Anteil, der dauerhaft hier wohnt. Ein gutes Beispiel hierfür sind Rotkehlchen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die Rotkehlchen, die im Sommer hier sind, nicht unbedingt die selben sind, die im Winter am Futterhäuschen fressen.
Der Klimawandel hat einen starken Einfluss auf die Zugvögel, weil er ihr zeitliches Orientierungssystem verschiebt. Viele Zugvögel orientieren sich an festen Signalen, bevor sie ihre Reise antreten. Eines davon ist die Temperatur. Durch den Klimawandel beginnt der Frühling in Europa früher, was dazu führen kann, dass die Vögel zu spät ankommen und die Hauptnahrungsquelle der Küken, und zwar Insekten, bereits einen Populationsrückgang haben. Auch Lebensräume verändern sich durch den Klimawandel, Zugvögel brauchen mehrere an unterschiedlichen Orten ihren Bedürfnissen entsprechend. Sie sind stärker von Veränderungen betroffen.
Wenn in Afrika oder Südeuropa Dürre herrscht, dann fehlt die Nahrung im Winter oder wenn Winde oder Stürme den Flug erschweren und er dadurch länger dauert. Möglicherweise müssen sich die Zugvögel nach neuen Gebieten umschauen.
All diese Faktoren können zu unregelmäßigeren Zyklen führen und letztendlich die Population der einzelnen Arten verkleinern. Einige Vögel bleiben aufgrund des Klimawandels im Winter dort, wo es früher zu kalt war, was in neuer Artenkonkurrenz und einem Ungleichgewicht des Ökosystems resultieren könnte.
Die Zugvögel merken jetzt schon, was Einige von uns nicht für wahr halten wollen.
Liebe Grüße von allen Zugvögeln aus dem Ahlenmoor und mir
Bennett