18/05/2026
Position der WMD zum Kriegerdenkmal in der Bahnhofstraße
Das Kriegerdenkmal in der Bahnhofstraße ist seit Jahrzehnten ein Brennpunkt kontroverser Debatten in Weinheim. Für viele Familien ist es ein Ort persönlicher Erinnerung – Namen von Angehörigen stehen dort eingraviert, und damit macht das Denkmal Kriegsschicksale sichtbar, die sonst im Verborgenen blieben.
Gleichzeitig ist unbestreitbar: Das Denkmal wurde von den Nationalsozialisten mit propagandistischer Absicht errichtet. Es sollte Kriegsbereitschaft fördern, nicht Frieden. Ebenso gehört zur historischen Wahrheit, dass gefallene jüdische Soldaten des Ersten Weltkriegs bei der Errichtung bewusst ausgeschlossen wurden. Und nach 1945 wurden Angehörige der Waffen‑SS zu Wehrmachtssoldaten umdeklariert, um sie namentlich aufnehmen zu können.
Diese Aspekte sind keine Randnotizen, sondern Teil der Weinheimer Stadtgeschichte. Sie zu verschweigen, hieße Geschichte zu verfälschen.
Wir als WMD verurteilen die wiederkehrenden Beschädigungen und Verschmutzungen des Denkmals. Das ist kein Ausdruck politischer Haltung, sondern schlicht Vandalismus. Wer die nationalsozialistische Bildsprache des Denkmals kritisieren möchte hat legale Möglichkeiten.
Gerade deshalb wurde 1999 das Mahnmal in der Ehretstraße errichtet – als bewusstes Gegengewicht. Wer heute das Kriegerdenkmal für Geschichtsverklärung oder martialische Inszenierungen missbrauchen will, tut dies zwangsläufig im Angesicht eines Mahnmals, das an die Opfer von Gewalt, Krieg und Verfolgung erinnert. Diese Spannung ist gewollt. Sie zwingt zur Auseinandersetzung.
„Das Kriegerdenkmal ist nicht schön und wurde zur Kriegspropaganda errichtet. Gerade deshalb soll es umso mehr Menschen zum Nachdenken bringen“, betont Matthias Hördt. Unsere Demokratie lebt von Vielfalt und vom offenen Austausch. Meinungen dürfen nicht unterdrückt werden – das berühmte, oft Voltaire zugeschriebene Zitat „Ich lehne ab, was Sie sagen, aber ich werde bis auf den Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen“ ist heute aktueller denn je.
Die Zivilgesellschaft sei deshalb gefordert, die inhaltliche Auseinandersetzung zu führen, damit demokratische Kräfte stets eine überzeugende Mehrheit darstellen.
Die vor wenigen Jahren aufgestellte Erklärtafel liefert die unverzichtbare historische Einordnung. Wer das Denkmal ablehnt, kann dies friedlich, kreativ und demokratisch ausdrücken.
Wir akzeptieren nicht: Vandalismus, Geschichtsverfälschung, Instrumentalisierung für menschenfeindliche Botschaften
Wir wollen: Aufklärung statt Zerstörung, ehrliche Debatten, Erinnerungskultur statt Geschichtsfälschung