19/07/2026
Wenn inmitten einer zerstörten Stadt plötzlich alles verstummt, zählt jede Sekunde. Genau diese Momente bleiben nach einem Auslandseinsatz besonders in Erinnerung. Unser Helfer Mathias war nach dem Erdbeben in Venezuela als Teil der SEEBA im Einsatz. Im Interview erzählt er von der Alarmierung, den Aufgaben vor Ort und den besonderen Erfahrungen während dieses außergewöhnlichen Einsatzes:
Gab es einen Moment oder eine Begegnung, der dir besonders in Erinnerung bleiben wird?
Am unerwartetsten hat mich sicherlich die plötzliche, gespenstische Ruhe getroffen, die mitten im Chaos der zerstörten Siedlungen binnen Sekunden ausbrechen konnte.
Dazu muss ich kurz ausholen: Es gibt grundsätzlich drei Methoden, in Trümmern Überlebende zu finden: Mit Hunden, mit Kameras und durch “Hören”. Bei letzterem ist es erstmal unerheblich, ob die Rettungskräfte mit ihren eigenen Ohren in die Trümmer horchen oder Mikrophone oder wie auch immer geartete Schallsensoren einsetzen. Es braucht absolute Ruhe in der Umgebung, sonst entgeht einem der Verschüttete, der im Trümmerberg klopft oder vielleicht erschöpft ruft.
Wenn ein Rettungsteam mit der akustischen Ortung an einer Einsatzstelle begann, signalisierte es das durch einen Ruf “Silencio!”, gepaart mit einer in die Höhe gestreckten Faust. Binnen Sekunden wurde diese Geste weitergetragen und im Umkreis von 150, vielleicht 200 Metern sämtliche Arbeiten eingestellt. Bagger und Aggregate aus, Autos, LKWs und die hunderten Motorräder stellten ihre Motoren ab, die Menschen blieben wie eingefroren stehen. Aus dem permanenten Verkehrs- und Baulärm wurde augenblicklich nur noch Wind, den man hören konnte.
Beim ersten Mal hat es uns mitten auf einer stark befahrenen Kreuzung erwischt – plötzlich blieb alles stehen und wurde so schlagartig so still, dass ich kurz an meinem Gehör zweifelte und ich zunächst grad nicht verstanden habe, was da gerade passiert. Uns begegneten solche Szenen dutzendfach im Laufe der Tage, manchmal waren auch wir das ortende Team.
Die Schnelligkeit, die Konsequenz, die Selbstverständlichkeit, mit der alle Menschen vor Ort in solchen Momenten (die durchaus zehn Minuten dauern konnten), sich haben einfrieren lassen, fand ich beeindruckend. Besonders, weil alle Leute dort ja selbst auch dringende Dinge zu tun hatten: Sie haben selbst Nahrung oder Werkzeuge von A nach B gefahren oder selbst in dem Moment zur Suche nach Überlebenden mit Bagger und Co. die Trümmer abgeräumt.
Das ganze Interview findet ihr auf unserer Website: https://ov-wiesbaden.thw.de/aktuelles/aktuelle-meldungen/artikel/interview-seeba-einsatz-venezuela-erdbeben