21/08/2026
ENERGIESICHERHEIT MIT VERNUNFT – GEMEINSAME RESOLUTION BESCHLOSSEN
Die AfD-Kreistagsfraktion Wunsiedel i. Fichtelgebirge und die AfD-Stadtratsfraktion Selb haben am 20. August 2026 gemeinsam die Resolution
„Energiesicherheit mit Vernunft – keine 380-kV-Trasse und kein 28-Hektar-Umspannwerk ohne vollständigen Bedarfsnachweis“
beschlossen.
Die Resolution wurde zuvor intensiv beraten. Änderungsanträge wurden nicht gestellt. Die Kreistagsfraktion fasste ihren Beschluss einstimmig; auch die Stadtratsfraktion Selb stimmte der gemeinsamen Resolution zu.
Unsere Position ist eindeutig:
Wir bekennen uns zu einer sicheren, bezahlbaren und leistungsfähigen Energieversorgung. Sie ist eine unverzichtbare Voraussetzung für Arbeitsplätze, Industrie, Handwerk, kommunale Entwicklung und die Lebensqualität der Menschen in unserem Landkreis.
Netzausbau darf jedoch kein Selbstzweck sein.
Bevor eine neue, rund 70 Kilometer lange 380-kV-Verbindung und ein Umspannwerk mit einem regional kommunizierten Flächenbedarf von etwa 28 Hektar verwirklicht werden, müssen Bedarf, Dimensionierung, Standort, Kosten und Alternativen vollständig und nachvollziehbar offengelegt werden.
Eine vorläufige energiewirtschaftliche Bewertung darf nicht automatisch zu einer Vorfestlegung auf zwei Transformatoren, einen bestimmten Standort oder einen Flächenverbrauch von 28 Hektar führen. Leitung, Transformatoren, Standort und Flächendimension müssen getrennt geprüft und begründet werden.
Wir fordern insbesondere:
• einen projektscharfen und öffentlich nachvollziehbaren Bedarfsnachweis für P485/M835;
• eine vollständige Prüfung technischer, räumlicher und wirtschaftlicher Alternativen;
• die konsequente Anwendung des NOVA-Prinzips – Netzoptimierung und Verstärkung bestehender Anlagen vor Neubau;
• eine unabhängige Netzstudie für den gesamten Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge;
• eine gemeindescharfe Energiematrix für alle 17 Kommunen;
• die vollständige Einbeziehung des WUNsiedler Weges, sämtlicher ESM-Projekte sowie der Vorhaben von SWW, ZENOB, dem Kommunalunternehmen Marktredwitz, dem gKU Oberes Egertal und Bayernwerk;
• eine realistische Bewertung vorhandener und geplanter Speicher-, Wärme-, Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasprojekte;
• die Offenlegung der Investitions-, Betriebs-, Finanzierungs-, Entschädigungs- und Rückbaukosten;
• eine nachvollziehbare Berechnung der Folgen für Netzentgelte, Unternehmen, kommunale Haushalte und private Verbraucher;
• einen vollständigen Nachweis, warum für das Umspannwerk tatsächlich rund 28 Hektar benötigt werden;
• eine Prüfung kleinerer, modular erweiterbarer Ausbaustufen;
• den Vorrang freiwilliger Grundstücksgeschäfte und eine unabhängige Wertermittlung;
• die vollständige Entschädigung von Eigentümern und Bewirtschaftern für Ertragsausfälle, Restflächenschäden, Zufahrten, Drainagen und langfristige Bewirtschaftungsnachteile;
• eine regionale Wertschöpfungsbilanz zu Arbeitsplätzen, Aufträgen, Gewerbesteuer, Landwirtschaft, Tourismus und kommunalen Folgekosten;
• die frühzeitige und verbindliche Beteiligung der betroffenen Kommunen, Grundstückseigentümer, Landwirte, Vereine, Unternehmen, Netzbetreiber und Verbände.
Der Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge verfügt bereits über eine vielfältige regionale Energielandschaft. Dazu gehören der WUNsiedler Weg, die Investitionen der Energieversorgung Selb-Marktredwitz, der Energiepark Hochfranken, kommunale Wärmenetze, Wind- und Photovoltaikanlagen sowie leistungsfähige Batteriespeicher.
Diese vorhandenen und geplanten Strukturen müssen in einer gemeinsamen regionalen Netzberechnung berücksichtigt werden. Sie dürfen weder pauschal als Begründung für einen überdimensionierten Großknoten herangezogen noch in ihrer möglichen netzentlastenden Wirkung übergangen werden.
Besonders wichtig sind für uns die wirtschaftlichen Folgen:
Netzinvestitionen werden letztlich über die Netzkosten von Bürgern und Unternehmen mitfinanziert. Deshalb müssen Wirtschaftlichkeit, Lebenszykluskosten und Auswirkungen auf die Netzentgelte transparent dargestellt werden.
Gleichzeitig müssen Natur, Landschaft, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Tourismus und Naherholung angemessen berücksichtigt werden. Ein Vorhaben dieser Größenordnung kann das Landschaftsbild, die Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Flächen sowie die Entwicklungsmöglichkeiten ganzer Gemeinden langfristig beeinflussen.
Unsere Schlussposition lautet deshalb:
Ja zur Versorgungssicherheit – aber nein zum Ausbauautomatismus.
Die Projekte P485/M835 werden in der bislang angekündigten Dimension kritisch abgelehnt. Eine Neubewertung bleibt möglich, wenn Bedarf, Alternativlosigkeit, Wirtschaftlichkeit, Flächensparsamkeit und konkreter Nutzen für unsere Region vollständig und überprüfbar belegt werden.
Die gemeinsame Resolution wird fristgerecht in das laufende Konsultationsverfahren der Bundesnetzagentur eingebracht.
AfD-Kreistagsfraktion Wunsiedel i. Fichtelgebirge
AfD-Stadtratsfraktion Selb