19/06/2026
15.6.1685: In Wien findet die Vermählung des jungen bayerischen Kurfürsten Max Emanuel (reg. 1679–1726) mit der sechzehnjährigen Erzherzogin Maria Antonia (1669–1692), der ältesten Tochter Kaiser Leopolds I., statt. Es ist eine der üblichen fürstlichen Zweckehen, die dazu dient, den Wittelsbacher von einer lockenden Verbindung mit Leopolds Gegner, dem französischen Sonnenkönig Ludwig XIV., abzuhalten und den Bayern für seine unverzichtbare Militärhilfe in den kaiserlichen Türkenkriegen belohnt. Schließlich ist mit der Hand der Prinzessin eine (wenn auch anfechtbare) Anwartschaft auf das spanische Habsburger-Reich verbunden! So viel Politik ist eine schlechte Voraussetzung für eine gelingende menschliche Beziehung, die dann auch gründlich schief geht. Gefeiert werden soll aber dennoch: Die bayerische Hochzeitsdelegation, die die Braut in das – zwischenzeitlich vermutlich entvölkerte – München „überführt“, erscheint mit nicht weniger als 847 Personen! Dazu 1084 Pferde vor 101 Wagen und Kutschen, alles geparkt in der Hofburg, die noch nicht der riesige Palastkomplex ist, den heutige Wien-Touristen bestaunen. „Dahoam“ in München wird dafürwenige, arbeitsintensive Monate später die Hochzeitsoper „Servio Tullio“ über die Bretter des Hofopernhauses am Salvatorplatz geschickt: Der Titelheld, der dank Mut und Tugend auf den Thron gelangte Römerkönig Servius, erringt die Hand der schönen Prinzessin Tullia aus der altehrwürdigen Etrusker-Dynastie. Es braucht kaum Erklärung des singenden Götterhimmels im Prolog, um Mythologie und tagespolitsches Wunschdenken zu verzahnen! Mehr über Max Emanuels Ehe(n) in Schlösserblog unter: https://schloesserblog.bayern.de/residenz-muenchen/frauen-an-der-seite-max-emanuels