03/07/2026
“Ode to NATO”: Deutschland und Merz im Weißen Haus
Aus irgendeinem Grund erhalte ich gelegentlich das Forbes-Magazin zugeschickt. Manchmal schaue ich auch rein. In der letzten Nummer lässt sich der Herausgeber, Steven Forbes, zu einem Leitartikel herab. Das Thema scheint ihm besonders wichtig zu sein. Er schwingt sich zu einer "Ode an die NATO" auf, die ihm besonders erhaltenswert und besonders wichtig für "die US-Führerschaft für eine bessere Welt" ist.
In diesem relativ kurzen Traktat zitiert er den am 12. 3.1952 ernannten ersten Generalsekretär der NATO, Lord Hastings Lionel Ismay (1. Baron Ismay). Dieser Lord benannte als oberstes Ziel der damals noch jungen Allianz folgendes: “Keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down.” Damals war diese Aussage vielleicht nicht überraschend, denn Ismay war ein enger Vertrauter Winston Churchills, also nicht irgendjemandes. Nun gut, das ist ca 70 Jahre her und inzwischen ist viel Wasser die Themse runtergeflossen. Forbes lässt jedenfalls das Zitat so stehen, ohne die Aussage zu relativieren. Ihm fällt dabei nur ein, dass die Strategie erfolgreich gewesen sei, denn “Moscow lost the 40-year old Cold War”. Die beiden anderen Punkte sind ihm offensichtlich selbstverständlich: die US sind immer noch “drin” und Deutschland ist “down”, also eine abhängige, nichtselbstständige Entität, die man offenbar auch als solche behandeln kann.
In Deutschland ist die Scham vor den Verbrechen des Nazi-Regimes relativ verbreitet, in den USA ist die Scham vor den Verbrechen des eigenen Regimes eher marginal (Genozid der Indianer, Sklaverei etc.). Bei Steven Forbes ist sie überhaupt nicht vorhanden. Die schottischstämmige Familie Forbes wurde im 19. Jahrhundert reich im illegalen Opiumhandel mit China. Steve hat sein Medienhaus von seiner Familie geerbt. Er ist zwar reich, aber er ist kein Milliardär. Ihm werden maximal 400 Millionen zugeschrieben. Unter Reagan und Bush Sr. hat er als Medienboss (Radio Liberty usw.) gewirkt. Seine Ambitionen, selbst Präsident zu werden, sind allerdings gescheitert. Er wurde zum Trump-Unterstützer. Wenn ein solcher Mann Gefallen daran findet, dass Deutschland “down” ist, hat das Gewicht, besonders im Zusammenhang mit Russland “draußen”. Seine Nähe zu republikanischen Präsidenten deutet darauf hin, dass der von ihm zitierte Spruch nach wie vor Regierungspolitik der USA ist.
In diesem Zusammenhang erklärt sich auch die Sprengung der North Stream Pipelines, die von beiden Kongress-Parteien verfolgt und goutiert wurde. Trump macht es heute erneut deutlich, was US-Imperialismus ist: “Wir führen Krieg gegen den Iran”, wie üblich ohne die eigentlich notwendige Ermächtigung durch den Kongress oder auch die der UN. Das stört unseren Kanzler keineswegs. Der saß heute wie ein Schuljunge, ähnlich wie Scholz bei Bidens Ankündigung zur Sprengung der Pipelines, neben dem Kriegsherrn bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus und erklärte, Deutschland wäre mit den USA und Israel im Krieg gegen den Iran einverstanden. Dafür erhält er sofort Lob von seinem Gönner, der dann anhob, Merz mit “Angela” zu vergleichen, die angeblich “fürchterlich” gewesen war, und als er fortführte, wie schrecklich sich Spanien verhält, das Kriegsführung von spanischem Boden aus untersagt hat. Für diese ehrenhafte Haltung donnert Trump los, werde er sofort jede wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Spanien einstellen. Sogar GB wird beschimpft, weil es die kleinen von GB kontrollierten Chagos-Inseln mit dem Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean an Mauritius zurückgeben will, die aber evtl. für den Krieg gegen den Iran benötigt würden. Merz kommentiert diese Beleidigungen mit keinem Wort und verteidigt nicht das Recht des EU-Mitglieds Spanien, sich an keinem illegalen Krieg beteiligen zu wollen.
RPB, 3.3.2026
The North Atlantic Treaty Organization (NATO) gets no respect these days. You’d never know from all the drama over Greenland and because NATO is a favorite punching bag of President Trump’s that this extraordinarily successful defensive...